Getreide – Ein Lebensmittel? 11 Gründe gegen den Verzehr von Getreide

Getreide – Ein Lebensmittel? 11 Gründe gegen den Verzehr von Getreide

Ein ganz zentraler Punkt bei der Paleo-Ernährung ist der Verzicht auf Getreide. Zur Vereinfachung wird immer als Hauptgrund gegen den Verzehr gebracht, dass der menschliche Körper bis vor ein paar tausend Jahren kein Getreide kannte – er hatte sich Millionen Jahre vorher ohne Getreide ernährt und an die Spitze der Nahrungskette gehamstert. So konnten erst viele heutige Zivilisationskrankheiten (Wohlstandserkrankungen) entstehen.

Das ist nur teilweise richtig – es gibt genügend Beweise, dass Menschen schon in der Steinzeit gelegentlich Süßgräser (Getreide) sammelten und daraus Brei kochten – aber nur in kleinen Mengen [1].

Heute möchte ich Dir aber von der biochemischen Seite erklären, warum es nicht nur aus evolutionsbiologischer Sicht sinnvoll ist, auf Getreide weitestgehend zu verzichten. Du wirst sehen, dass mehr gegen den Verzehr von Getreide als dafür spricht. Und dass selbst vermeintliche Pro-Argumente in Wirklichkeit nach hinten losgehen, wenn sie ein wenig näher unter die Lupe genommen werden.

Getreide war Jahrtausende der Garant zum Überleben der Menschheit, seit der Neolithischen Revolution, als der Mensch begann, sesshaft zu werden, Vieh zu halten und Nahrungsmittel (v.a. Getreide) selber anzubauen. Durch die Sicherheit der nächsten Getreideernte und die gute Lagerfähigkeit der Körner war es fortan möglich, mehr Menschen zu ernähren als durch Jagen und Sammeln.

Allerdings ist Getreide ein zweischneidiges Schwert – das gesteigerte Überleben hat einen hohen Preis. Und heute, in einer Zeit nie dagewesenen Wohlstands, wird dieser Preis immer deutlicher. Getreide ist nicht länger notwendig zum Überleben – zumindest in der Ersten Welt.

Dass Getreide nicht zum Verzehr durch den Menschen gemacht ist und ihm direkt schadet, werde ich Dir jetzt erklären.

#1 Die ersten Bauern wurden kleiner und kränker

Als die ersten Menschen sesshaft wurden und Getreide plötzlich wichtigstes Nahrungsmittel wurde, wurden sie plötzlich mit folgenden Problemen konfrontiert [2]:

  • Mehr Infektionskrankheiten (schlechteres Immunsystem)
  • Schlechte Zahngesundheit und erstes Auftreten von Karies
  • Kleinere Statur
  • Rückgang der Lebenserwartung
  • Erhöhung der Kindersterblichkeit
  • Nährstoffmängel

Autsch! Das ist heftig. Und man kann das heute noch bei Jäger-und-Sammler-Bevölkerungen beobachten, wenn sie sesshaft werden. Was ist da falsch gelaufen? Sie ernährten sich nicht mehr von allem, was die Natur ihnen zu jagen und sammeln gab – Fleisch, Fisch, Eier, Obst, Gemüse etc., sondern vertrauten jetzt hauptsächlich auf einige wenige Getreidesorten. Und allen damit einher kommenden gesundheitlichen Problemen und Nährstoffmängel. Gleichzeitig gingen jahrtausendealte Fähigkeiten, in der Natur nach Nahrung zu suchen, verloren.

Das als kleiner Einstieg. Das sollte Dir schon einmal zu denken geben.

#2 Gluten

Gluten ist umgangssprachlich ein Überbegriff für Speicherproteine im Getreidekeimling. Eigentlich wird mit Gluten das Speicherprotein im Weizen gemeint, solche Speicherproteine kommen auch in anderen Getreidesorten vor:

  • Bei Roggen heißt es Secalin
  • Bei Hafer heißt es Avenin
  • Bei Gerste heißt es Hordein

Der Einfachheit halber spreche ich aber jetzt nur noch von Gluten – zumal Weizen das am häufigste konsumierte Getreide in unseren Breiten ist.

So wie alle Proteine muss Gluten auch verdaut werden. Allerdings sind Speicherproteine aus Getreide im Allgemeinen sehr schwer verdaulich. Je länger ein Protein unverdaut bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass unser Immunsystem darauf reagiert. Schließlich ist fremdes Protein grundsätzlich nicht erwünscht in unserem Körper. Das ist ein Grund, warum Getreide entzündliche Erkrankungen wie Zöliakie auslöst.

Ein weiteres Problem ist die nur unzureichende Verdauung von Gluten. Da es so dicht gepackt ist, kommen unsere Verdauungsenzyme nur schwer ran. Was nach der Verdauung übrig bleibt, sind keine einzelnen Aminosäuren, die unser Körper verwerten kann, sondern Peptide, sogenannte „Protein-Schnipsel“. Und diese haben – zusammen mit dem ursprünglichen Gluten – vielfältige Wirkungen im Körper:

  • Sie greifen die Darmwand an und machen sie löchrig [3][4]. Das allein treibt Immunreaktionen an, denn auch Giftstoffe aus dem Darm gelangen in den Körper. Und Bakterien, die eigentlich nichts im Körper verloren haben.
  • Sie verhindern aktiv die Reparatur des Schadens [5]
  • Sie hemmen die Bildung neuer, gesunder Darmzellen [5]
  • Sie fördern Entzündungen in den Darmzellen [6]
  • Sie verändern (!) die Zusammensetzung der Darmbarriere, indem sie verstärkt Immunzellen anlocken, was einer Entzündungsreaktion gleichkommt [7]
  • Die Immunreaktionen können auch systemisch, d.h. im ganzen Körper, wirken. Die Symptome sind vielfältig und als Glutensensitivität bekannt [10]. Glutensensitivität ist real und sehr unterschätzt [11].
  • Diese Entzündungen und Immunreaktionen können irgendwann in Autoimmunerkrankungen ausarten [12]
  • Die Gluten-Schnipsel stehen stark im Verdacht, im Gehirn Erkrankungen wie Schizophrenie [8] und Autismus [9] auszulösen
  • Bei der Verdauung von Gluten entsteht Gliadorphin als Zwischenprodukt. Gliadorphin ist ein Exorphin. Exorphine wirken wie Opium im Körper: Taubheitsgefühle und Abhängigkeit sind die Folge.

Exkurs: Exorphine entstehen übrigens auch bei der Verdauung von Milch. Daher die Eigenschaft von Milch, abhängig zu machen. Oder was denkst Du, wo manchmal dieser unbändige Hunger nach einem Glas Milch herkommt? 🙂

  • In Ratten dereguliert Gluten die komplette Fettverbrennung, indem Fett-aufbauende Enzyme hochreguliert und Fett-verbrennende Enzyme herunterreguliert werden. [13][14] Ratten-Experimente hin oder her: Im Menschen wird das Problem sehr ähnlich sein. Ist das vielleicht ein Grund für das grassierende Übergewichtsproblem?
  • Damit verbunden wird unser braunes Fettgewebe, eine Art interner Ofen, gestört. Folge: wir frieren mehr [14].

So. Das war jetzt nur das Gluten. Aber es kommt noch dicker:

#3 Lektine

Lektine sind Proteine, die in Pflanzen vorkommen (besonders in Getreide, Hülsenfrüchten und Nachtschattengewächsen) und sind ebenfalls Speicher- und Abwehrproteine. Abwehr gegen Fressfeinde wie Dich und mich. Was sie machen? Sie binden spezifisch Kohlenhydrat-Strukturen in unserem Körper, auf unseren Zellen.

  • Das beginnt im Darm: Sie heften sich an unsere Darmzellen und treiben sie in den Selbstmord. Dies verstärkt das Problem des löchrigen Darms [15].
  • Im Magen wirken sie ebenfalls und verstärken die Magenentzündungen durch Helicobacter pylori [15]
  • Natürlich lösen sie auch im Darm eine Entzündungsreaktion aus [16] und verstärken damit auch Erkrankungen durch Zöliakie. Manche Wissenschaftler gehen schon so weit und behaupten, Zöliakie werde durch Lektine ausgelöst, nicht durch Gluten. Denn durch Anheften an Darmzellen locken sie auch das Immunsystem an, welches dann das Lektin UND die betroffene Darmzelle angreift. Im härteren Sinne nennt man dies Autoimmunerkrankung.
  • Das Lektin im Weizen – Wheat Germ Agglutinin – bindet bevorzugt an eine Substanz namens Neu5Gc. Diese kommt besonders häufig in Knorpelstrukturen vor. Die Folge sind entzündliche Gelenkserkrankungen wie Arthritis [17].
  • Lektine binden auch Proteine wie den Insulin-Rezeptor [18]. Als Folge kann Insulin nicht mehr so gut wirken. Macht sich super zusammen mit dem hohen Kohlenhydrat-Anteil im Getreide.
  • Lektine und ein hoher Kohlenhydratanteil stehen im Verdacht, die Darmflora so zu verändern, dass weniger Leptin produziert wird [19]. Leptin ist ein Sättigungshormon, das u.a. von der Darmflora gebildet wird, wenn wir etwas essen. Weniger Leptin bedeutet weniger Sättigungsgefühl, und wir essen mehr. Diese erhöhte Kalorienaufnahme kann somit zu Übergewicht führen.
  • Zwar lassen sich Lektine durch Kochen, also Hitze, inaktivieren [20], aber die Tatsache, dass Antikörper und Entzündungen im Körper durch Lektine nachweisbar sind, spricht die Sprache, dass die Lektine zumindest teilweise noch aktiv vom Körper aufgenommen werden (durch die löchrige Darmwand). Trotzdem lässt sich sagen: je mehr abgekocht wird und je länger der Brotteig gärt, desto besser.

#4 Enzyminhibitoren

Getreidekörner sind Samen, und Samen wollen nicht verdaut werden: Daher hemmen sogenannte Amylase- und Trypsininhibitoren im Getreide unsere Verdauungsenzyme. Ein Grund mehr, warum Getreide so schwer verdaubar ist. Gleichzeitig stimulieren diese Stoffe ebenfalls das Immunsystem im Darm und lösen eine Entzündung aus [21].

#5 Phytinsäure – Eine differenzierte Betrachtung

Phytinsäure ist der hauseigene Phosphatspeicher im Getreide. Wenn das Getreide keimt, baut ein Enzym namens Phytase die Phytinsäure ab. Wir Menschen besitzen Phytase nicht, was einerseits bedeutet, dass wir das Phosphat nicht gut aufnehmen können. Da Phosphat aber gleichzeitig zweiwertige Kationen wie Magnesium, Eisen und Zink bindet, können diese Mineralstoffe nur sehr schlecht vom Körper aufgenommen werden. Die im Getreide theoretisch enthaltenen Mineralstoffe kann unser Körper also größtenteils nicht aufnehmen.

Phytinsäure hat aber auch eine positive Kehrseite für unseren Körper: Es wird in geringen Mengen aufgenommen und löst durch seine Eigenschaft Calciumablagerungen aus unseren Gefäßen [36]. Das ist der Grund, warum in vielen Studien Vollkornprodukte für eine Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sorgen.

Außerdem zerfällt Phytinsäure in geringen Mengen im Körper in seine Bestandteile Inositol und Phosphat. Das Inositol ist Teil des Insulin-Signalwegs. Insulin wirkt also besser, die Insulinsensitivität steigt. Das dürfte theoretisch Diabetiker erfreuen.

Ich schreibe dies, weil ich finde, Phytinsäure ist ein überschätzter Anti-Nährstoff. Ja, er verhindert die Aufnahme von Mineralstoffen, aber diese kommen ohnehin nicht gerade üppig im Getreide vor und es sprechen noch genug andere Gründ WIRKLICH gegen Getreide.

#6 Vollkorngetreide – eine überragende Ballaststoff-Quelle?

Ballaststoffe sind alle unverdaulichen Nahrungsbestandteile. Sie sind ein gern benutztes Argument gegen Paleo: Ohne die nötigen Ballaststoffe geht unsere Gesundheit den Bach runter. Das liegt nahe, da Vollkorngetreide für seinen hohen Ballaststoff-Anteil angepriesen wird. Und wenn wir auf die gesundheitlichen Wirkungen von Ballaststoffen schauen, glauben wir dies gerne [22-25]:

  • Ballaststoffe erhöhen die Sättigung
  • Ballaststoffe erhöhen die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Essen
  • Ballaststoffe nähren unsere Darmflora und bilden die Basis für ein gesundes Immunsystem
  • Ballaststoffe helfen dadurch gegen Übergewicht

Wow! Ohne Getreide können wir also gar nicht gesund sein? Vergleichen wir doch einmal den Ballaststoffgehalt von Getreide mit anderen Nahrungsmitteln [26]:

Scheibe Weizenvollkornbrot: 3g

Scheibe Weißbrot: 1g

Handvoll Brokkoli: 4g

Handvoll Karotten: 3,4g

Handvoll Sellerie: 3g

Handvoll Bohnen: 8g

Handvoll Mandeln: 2,4g

1 mittelgroßer Apfel: 4g

Nein, Getreide ist nicht unbedingt reicher an Ballaststoffen als andere natürliche, gesündere Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse.

Nein, Getreide ist nicht nötig, um seinen Bedarf an Ballaststoffen zu decken.

Und nein, bei Paleo nimmt man garantiert nicht zu wenig Ballaststoffe zu sich.

#7 Hohe Kohlenhydratdichte

Getreide ist sehr dicht an Kohlenhydraten. Diese werden, unabhängig ob Vollkorn oder nicht, sehr schnell ins Blut abgegeben. Schießt der Blutzucker so schnell in die Höhe, startet unser Körper eine Entzündungsreaktion, um den Blutzucker wieder zu kontrollieren [27]. Entzündungsreaktion. Schon wieder…

#8 Ungünstige Fettsäure-Verteilung

Ein großes Problem der heutigen Ernährung ist die ungünstige Verteilung von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren. Ist das Verhältnis zu sehr auf Seiten der Omega-6-Fetten (bei einer westlichen Ernährung normalerweise 20:1, bei einer natürlichen Ernährung 3:1), werden Entzündungsreaktionen im Körper begünstigt und fallen stärker aus als normal und depressive Zustände treten häufiger auf [28][29]. Getreide besteht von den Fettsäuren her eigentlich nur aus Omega-6-Fettsäuren, besonders das ach so tolle Hafer (lösliche Ballaststoffe hin oder her, es enthält mir zu viele Omega-6-Fette).

Um dieses Fettsäure-Verhältnis wieder ins Lot zu bringen, ist es neben dem Verzicht auf Fleisch aus Massentierhaltung und minderwertige Speiseöle (Sonnenblumenöl, Distelöl) auch sehr vorteilhaft, Getreide weitestgehend einzuschränken.

#9 Schlechte Mikronährstoffdichte und Bioverfügbarkeit

Getreide ist für sich genommen schon kein guter Lieferant für Nährstoffe und Vitamine [30][37]. Die Mineralstoffdichte hat durch Züchtung in den letzten Jahrhunderten immer weiter abgenommen im Vergleich zu ursprünglichen Getreidesorten. Die Aufnahme der wenigen verbliebenen Vitalstoffe wird leider durch Stoffe wie Phytinsäure noch behindert. Somit kann Getreide eher als eine Quelle von „leeren Kalorien“ betrachtet werden. Es besteht aus Gluten, Kohlenhydraten, ein paar Ballaststoffen – und sonst nichts. Nicht viel wirklich Wertvolles für unseren Körper außer Energie. So was nennt man auch Nährmittel – Mittel, die uns nähren, also satt machen und Energie spenden, aber uns nicht ernähren im Sinne von Nährstoffen. Wer es noch etwas weiter treiben möchte, bezeichnet Getreide einfach als Genussmittel oder Fast-food. Plumpe Energie, sonst nichts.

Ein Vergleich zwischen einem Wurstbrötchen und einem BigMac ist gar nicht so weit hergeholt 🙂

#10 Warum von öffentlicher Seite trotzdem Getreide empfohlen wird

An der Stelle kommt die Agrarlobby ins Spiel: Die ist in Deutschland sehr, sehr mächtig und hat in vielen „wissenschaftlichen Gremien“ wie der DGE seine Finger im Spiel. Und das ist auch das Problem. So diktiert uns die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihren 10 Regeln für gesunde Ernährung, mehrmals am Tag und reichlich Getreide zu essen [31]. Warum das? Getreide ist in großen Mengen und billig produzierbar. Je mehr es industriell verarbeitet wird, desto höher die Gewinnspanne für die Industrie. Zum Vergleich: ein Kilo Weizenmehl ist im Großhandel für 20ct zu haben. Ein Kilo Brot kostet dann schon 2€, ein Kilo Kuchen hingegen 15€. Die Gewinnspanne steigt mit jedem Verarbeitungsschritt. Und mit einem Billigprodukt wie Mehl als Ausgangslage ist die Gewinnspanne nur noch größer.

Das Problem dabei: Wenn Getreide zur Nahrungsgrundlage gemacht wird, wieviel Platz bleibt dann noch auf dem Teller für gesunde Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse und Fleisch? Nicht viel. Die Ernährungspyramide sollte eher umgedreht werden: Getreide nach oben (wenig), als Grundlage unverarbeitete tierische Nahrungsmittel, Obst und Gemüse nach unten. Aber so würden wir ja niemals die (nach DGE) 50-60% Kohlenhydratanteil erreichen, die wir benötigen, nicht wahr? 🙂 50-60% Kohlenhydrate, das sind umgerechnet 300-400g. Minimum. Das entspricht meiner Meinung nach eher einer Mast als einer anständigen Ernährung.

#11 Wenn, dann Sauerteig …

Wenn Du trotzdem einmal Getreideprodukte wie Nudeln, Brot oder Brötchen essen möchtest, dann achte darauf, dass diese Produkte aus Sauerteig oder Roggenteig gemacht wurden. Sauerteig hat nicht ganz so dramatische Effekte auf unsere Gesundheit wie Nicht-Sauerteig, da die Bakterien und Hefen den Teig quasi schon vorverdauen. Dadurch steigt die Aufnahme an Nährstoffen aus dem Mehl [32], ist bekömmlicher (auch für Zöliakie-Patienten) [33], und das Gluten wirkt weniger stark [34].

Warum schreibe ich das erst jetzt, ganz am Ende? Nicht, weil ich überdramatisieren oder mich unnötig über Getreide auslassen möchte. Nein, ganz einfache Frage: Wo bekommt man heute noch Sauerteig-Brot? Wer bäckt noch selber mit Sauerteig? Nicht Viele. Gutes Brot ist schwer zu bekommen und wenn, dann teuer. 90% der gekauften Brote (Schätzung, könnte auch mehr sein) in Deutschland sind eben NICHT Sauerteig, daher gelten diese gesundheitlichen Effekte.

Aber auch, wenn Du regelmäßig Sauerteig-Brot bei einem guten Bio-Bäcker kaufst: Er ist vielleicht nicht so schädlich für Deinen Körper, aber ist immer noch eine Quelle von leeren Kalorien und sollte nicht die Grundlage Deiner Ernährung sein. Bio-Bäcker sollte auch aus anderen Gründen der Vorzug gewährt werden: sie backen selbst, das heißt ohne Tiefkühl-Teiglinge aus der Fabrik. Du unterstützt also noch ursprüngliches, gutes Handwerk. Außerdem benutzen sie keine Zusatzstoffe wie zusätzliches Gluten, Triebmittel, Konservierungsstoffe und Weichmacher. Das Brot ist vielleicht zäher, aber „gesünder“.

#12 … oder Pseudogetreide

Und als Nudelersatz schlage ich im Notfall Pseudogetreide (Buchweizen, Quinoa, Amaranth) oder ursprünglichere Getreidesorten wie Kamut, Emmer und Einkorn vor. Sie sollten die Ausnahme bleiben, nicht die Regel, sind aber in der Ausnahme eine bessere und auch schmackhaftere Alternative zu herkömmlichen Nudeln. Weizen ist eine Kreuzung aus Emmer und Einkorn, gewusst? 🙂 Die ursprünglichen Sorten haben weniger Gluten und weniger andere Schadstoffe als Weizen und etwas mehr Nährstoffe. Weizen wurde schließlich zur heutigen glutenhaltigen Variante erst gezüchtet.

Sie bleiben Getreide, und, wie gesagt, bleiben die Ausnahme, aber immer noch besser als herkömmliches Weizen.

Zusammenfassend: Welches Wort kam in diesem Artikel am häufigsten vor? Richtig – Entzündung. Ich war beim Schreiben dieses Artikels selbst überrascht, auf welch vielfältige Weisen Getreide in unserem Körper Entzündungen hervorruft und verstärkt. Entzündungen sind mittlerweile DIE Grundlage für alle möglichen Alters- und Zivilisationskrankheiten. Getreide spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle, das hast Du jetzt hoffentlich auch verstanden – sofern du diesen langen Artikel komplett gelesen hast! Ich hoffe, Dich daher heute in diesem Sinne positiv beeinflusst zu haben.

Abschließend

Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn Du ein kleines Feedback unten in die Kommentare schreibst: Was ist Deine Meinung zu diesem Thema?

Wenn Du mehr zu dieser Thematik lernen willst, dann lese Dich doch auf www.primal-state.de (wo ich auch gelegentlich Artikel schreibe) hier ein. Dort erwarten Dich viele weitere, spannende Artikel.

Wenn Du nach guten und gesunden Alternativen zu Getreide suchst oder den Umstieg zu Paleo schaffen möchtest, findest du auf www.kleine-steinzeit.de eine sehr gute und umfassende Produktauswahl.

Weiterführende Informationen:

Wenn Du dich noch mit weiterführender Literatur zum Thema Getreide beschäftigen möchtest, empfehle ich dir folgende Bücher:

Loren Cordain: Das Getreide – Zweischneidiges Schwert der Menschheit: Unser täglich‘ Brot macht satt, aber krank. 1. Januar 2011

Dr. med. William Davis und Imke Brodersen: Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank macht, 21. Januar 2013

Dr. Perlmutter: Dumm wie Brot: Wie Weizen schleichend Ihr Gehirn zerstört, 24. Februar 2014

 

Quellenverzeichnis

[1] JULIO MERCADER: (2009) „Mozambican Grass Seed Consumption During the Middle Stone Age“ SCIENCE 18 DEC 2009 : 1680-1683, DOI: 10.1126/science.1173966

[2] Mummert A: „Stature and robusticity during the agricultural transition: evidence from the bioarchaeological record.“ Econ Hum Biol. 2011 Jul;9(3):284-301. doi: 10.1016/j.ehb.2011.03.004. Epub 2011 Apr 1.

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[4] Lammers, Karen M.; Lu, Ruliang; Brownley, Julie; Lu, Bao; Gerard, Craig; Thomas, Karen et al. (2008): Gliadin induces an increase in intestinal permeability and zonulin release by binding to the chemokine receptor CXCR3. In: Gastroenterology 135 (1), 194-204.e3. DOI: 10.1053/j.gastro.2008.03.023.

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[6] Bernardo, D et al. “Is Gliadin Really Safe for Non‐coeliac Individuals? Production of Interleukin 15 in Biopsy Culture from Non‐coeliac Individuals Challenged with Gliadin Peptides.” Gut 56.6 (2007): 889–890. PMC. Web. 29 Aug. 2016.

[7] Doherty, M.; Barry, R. E. (1981): Gluten-induced mucosal changes in subjects without overt small-bowel disease. In: Lancet (London, England) 1 (8219), S. 517–520.

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[9] Eaton, William et al. “Coeliac Disease and Schizophrenia: Population Based Case Control Study with Linkage of Danish National Registers.” BMJ : British Medical Journal 328.7437 (2004): 438–439. Print.

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[18] Jose A. Hedo, Len C. Harrison, Jesse Roth (1981): „Binding of insulin receptors to lectins: evidence for common carbohydrate determinants on several membrane receptors“ Biochemistry, 1981, 20 (12), pp 3385–3393, DOI: 10.1021/bi00515a013

[19] Tommy Jönsson and Staffan Lindeberg (2005): „Agrarian diet and diseases of affluence – Do evolutionary novel dietary lectins cause leptin resistance?” BMC Endocrine Disorders20055:10, DOI: 10.1186/1472-6823-5-10

[20] Andrea Matuccia: „Temperature-dependent decay of wheat germ agglutinin activity and its implications for food processing and analysis“ Food Control, Volume 15, Issue 5, July 2004, Page 391–395, http://dx.doi.org/10.1016/S0956-7135(03)00104-X

[21] Junker, Yvonne; Zeissig, Sebastian; Kim, Seong-Jun; Barisani, Donatella; Wieser, Herbert; Leffler, Daniel A. et al. (2012): Wheat amylase trypsin inhibitors drive intestinal inflammation via activation of toll-like receptor 4. In: The Journal of experimental medicine 209 (13), S. 2395–2408. DOI: 10.1084/jem.20102660.

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[26] https://www.wehealny.org/healthinfo/dietaryfiber/fibercontentchart.html

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[38] Sofi, F.; Whittaker, A.; Cesari, F.; Gori, A. M.; Fiorillo, C.; Becatti, M. et al. (2013): Characterization of Khorasan wheat (Kamut) and impact of a replacement diet on cardiovascular risk factors: cross-over dietary intervention study. In: European journal of clinical nutrition 67 (2), S. 190–195. DOI: 10.1038/ejcn.2012.206.

[39] Sofi, Francesco; Whittaker, Anne; Gori, Anna Maria; Cesari, Francesca; Surrenti, Elisabetta; Abbate, Rosanna et al. (2014): Effect of Triticum turgidum subsp. turanicum wheat on irritable bowel syndrome: a double-blinded randomised dietary intervention trial. In: The British journal of nutrition 111 (11), S. 1992–1999. DOI: 10.1017/S000711451400018X.

 

 

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  1. Ich finde den Artikel sehr interessant und würde eine ähnliche Analyse auch im Bezug auf Fette und Zuckerarten gut finden:).