Bist du ein Baby oder warum trinkst du Milch?

Bist du ein Baby oder warum trinkst du Milch?

Unsere Großeltern werden sich vermutlich noch an die Zeiten erinnern, als jeden Morgen der Milchmann mit den Flaschen oder Kannen frischer Milch an die Haustür kam.

Diese nostalgischen Zeiten sind jedoch zumindest in den deutschen Ballungsräumen endgültig vorbei.

Milch- und Milchprodukte können heutzutage auf Vorrat in jedem Supermarkt gekauft werden.

Aber wissen wir denn eigentlich wie diese Produkte hergestellt werden und was tatsächlich in ihnen steckt?

Ein wichtiger Teil meiner Paleo-Lebensweise beinhaltet, sich genau mit solch eigentlich selbstverständlichen Dingen wie den Ursprung, der Herstellung und vor allem den Inhaltsstoffen von unseren Lebensmitteln auseinanderzusetzen.

Und so lege ich im Folgenden dar, warum Milch- und Milchprodukte zur strikten Paleo-Ernährung nicht gehören sollten und falls doch, worauf du achten solltest!

Die meisten Paleo-Anhänger wissen, dass Milch nicht unbedingt gesund ist.

Doch ist das wirklich so?

Wird doch immer etwas Gegenteiliges von Medien oder gar dem Bundesministerium für Gesundheit propagiert.

Der gesamte Markt für Milchprodukte hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert.

Milchbauern sind gezwungenermaßen zu Unternehmern und Großproduzenten geworden.

Dabei haben die Veränderungen nicht zur Verbesserung der Milchprodukte für den Konsumenten beigetragen.

So frage ich mich, wie natürlich ist die Milch überhaupt noch, wenn sie morgen, übermorgen und sogar nächste Woche immer noch frisch schmeckt?

Milch- und Milchprodukte gehören heutzutage zu den stark verarbeiteten Lebensmitteln.

So ist beispielsweise der natürliche Proteingehalt in frischer Milch ziemlich gering. Damit sind Fett- und Kohlenhydratanteile wesentlich höher.

Diese Komponenten der Milch werden heute industriell so angepasst, dass sie dem von uns erwarteten Protein-, Fett- und Kohlenhydratgehalt entsprechen.

Seit ungefähr der späten 1970er Jahre findet eine solche Milchstandardisierung statt.

Doch die standardisierte Milch enthält ein Nebenprodukt des Herstellungsprozesses.

Das sogenannte Permeat, das bei der Entfernung von Milchproteinen und Fetten entsteht.

Für Milchproduzenten ist dies billiger als die reine Milch und wird daher mit dieser vermengt. Die Hinzugabe von diesem Permeat zur Milch führt zwar zu keinem nennenswerten Verlust in den Nährwerten, aber erhöht den Lactoseanteil (Milchzucker).

Als Paleolaner stell ich mir vor allem die Frage, ob jegliche Art von Milch- und Milchprodukten, ob pasteurisiert oder nicht, tatsächlich gesund ist und unser Körper diese verwerten kann.

Schließlich haben unsere steinzeitlichen Vorfahren diese definitive nicht zu sich genommen. Aber selbstverständlich heißt das noch nicht automatisch, dass Milch ungesund ist.

Unbestreitbar ist wohl, dass Milch voll von Nährstoffen, gesättigten Fetten, nützlichen Bakterien, essentiellen Fettsäuren, Proteinen und Kohlenhydraten ist.

Wer an Gewicht zunehmen möchte und weder unter einer Autoimmunkrankheit, noch unter Akne oder einer Insulinsensitivität leidet, der kann von Milchprodukten profitieren.

Für einen gesunden Darm sind die in Milchprodukten wie Joghurt, Kefir und sogar Käse enthaltenen Bakterien sehr förderlich.

Dabei sollten vor allem fermentierte Produkte vorgezogen werden, da der Fermentationsprozess den meisten Milchzucker entzieht, der häufig Ursache einer Unverträglichkeit von Milchprodukten ist.

Lactose1)Artikel zur Milchallergie und Lactoseintoleranz (engl.): Milk Allergies and Lactose Intolerance gehört damit wohl zum häufigsten Argument keine Milchprodukte zu konsumieren.

Und tatsächlich ist unser Körper nicht für dessen Verarbeitung ausgerichtet. Denn mit der natürlichen Entwöhnung von der Muttermilch sinkt auch die Produktion von Lactase, ein Verdauungsenzym für die Aufspaltung von Lactose, welches in den Schleimzellen des Dünndarms gebildet wird.

Mit zunehmendem Alter erfolgt nur noch eine geringe oder sogar keine Lactase-Produktion und führt damit zur Lactoseintoleranz.

Doch nicht nur Lactose bereitet vielen Menschen Probleme bei der Verdauung von Milch- und Milchprodukten, sondern auch das Casein, eines der Hauptproteine in der Milch.

Lactose und Casein wurden in Studien mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn in Zusammenhang gebracht.

Auch der hohe Kohlenhydratgehalt von Milchprodukten kann ein Problem darstellen, da es den Insulinspiegel stark ansteigen lässt, auch wenn das Milchprodukt fermentiert ist.

Zudem sind Milchprodukte wachstumsfördernd aufgrund der Vielzahl von Wachstumsfaktoren wie beispielsweise insulinähnliche Wachstumsfaktoren (engl. Insulin-like growth factors, IGF). Experten sind der Meinung, dass diese zum Wachstum und zur Differenzierung von Zellen und somit wahrscheinlich auch zur Förderung von Krebszellen und Akne2)Studie über die verstärkende Wirkung vom Milchkonsum auf Akne (engl.): Diet in acne: further evidence for the role of nutrient signalling in acne pathogenesis. führen.

Selbst wenn du nicht an Lactose- oder Caseinintoleranz leidest und dich nicht über Gewichtszunahme oder einen höheren Insulinspiegel sorgst, solltest du dir bewusst sein, dass die heute im Supermarkt erhältliche Milch meist von Kühen kommt, die mit Korn und Soya gefüttert werden.

Damit enthält die Milch einen höheren Gehalt an Omega-6-Fettsäuren und weniger Omega-3-Fettsäuren. Langfristig gesehen, führt dies zu Entzündungen im Körper.

Neben dem schlechten Futter werden den Kühen auch noch Wachstumshormone und Antibiotika zugeführt.

Besonders in der Massentierhaltung kommen Antibiotika häufig zum Einsatz, damit ein krankes Tier nicht den gesamten Tierbestand ansteckt. Werden Antibiotika im zu hohen Maße angewandt, können Resistenzen entstehen, die die Therapie erheblich erschweren. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht auch für die Gesundheit des Verbrauchers eine Gefahr von antibiotikabelasteten Tierprodukten aus. Es ist jedoch noch umstritten, ob Antibiotika in der Tierhaltung auch einen Einfluss auf die Antibiotika-Resistenz beim Menschen haben.

Zudem ist die im Supermarkt zu erhaltene Milch auch noch entrahmt und pasteurisiert. Dies führt dazu, dass gesunde gesättigte Fette reduziert werden und einige Enzyme und fördernde Bakterien ineffektiv werden.

Doch damit ist noch nicht das Ende der negativen Auswirkungen vom Milchkonsum erreicht. So belegen Studien, dass Milch…

  • Diabetes Typ 2 3)Studie zur Auswirkung vom Milchkonsum auf Diabetes Typ2 (engl.): Milk signalling in the pathogenesis of type 2 diabetes. fördert.
  • …zu Fruchtbarkeitsstörungen4)Studie zum Milchkonsum als Risikofaktor für Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern (engl.): Is milk responsible for male reproductive disorders? bei Männern führen kann.
  • …ein Risikofaktor für Prostatakrebs 5)Studie zum Milchkonsum als Risikofaktor für Prostatakrebs (engl.): Estrogen: one of the risk factors in milk for prostate cancer. aufgrund des in der Milch enthaltenen Hormons Östrogen ist.
  • …bei einem lebenslang hohen Konsum durch eine hohe Kalziumaufnahme das Risiko für osteoporotische Frakturen 6)Studie zum hohen Kalziumkonsum als Auslöser für osteoporotische Frakturen (engl.): Lifetime high calcium intake increases osteoporotic fracture risk in old age.. im Alter erhöht.

Bist du nun als Milchliebhaber verzweifelt?

Keine Sorge!

Denn organische Milch von grasgefütterten Kühen, die aus einer Weidehaltung kommen, ist qualitativ wesentlich besser. Sie ist reich an Vitamin K2, Omega-3 Fettsäuren und wichtigen Antioxidantien sowie Linolsäure.

FAZIT ZUM KONSUM VON MILCHPRODUKTEN

Dieser Artikel soll dir nicht vorschreiben, ob du Milch und Milchprodukte zu dir nimmst oder nicht.

Ich bin der Meinung, dass die für dich richtige Ernährung dir kein Gefühl der Einschränkung geben sollte. Denn dann ist es schwer auch langfristig deine Essgewohnheiten umzustellen.

Wenn du also absolut nicht auf Käse verzichten möchtest, musst du das auch nicht.

Es ist deine eigene Entscheidung und Abwägung zwischen den Vor- und Nachteilen. Kenne und verstehe dabei die Hintergründe der Paleo-Prinzipien.

In der Regel konsumieren Paleo-Anhänger entweder gar nicht oder nur gelegentlich Milch, Käse und Joghurt (Primal). Dafür häufiger Butter und Ghee.

Wenn du dich entscheiden solltest, nicht vollkommen auf Milchprodukte zu verzichten, dann würde ich dir raten, immer so natürliche Produkte wie möglich zu wählen!

Also kaufe organische, vollfette und fermentierte Milchprodukte von grasgefütterten Kühen aus der Weidehaltung.

Am allerbesten ist natürlich die Rohmilch direkt vom Milchbauern, die alle wertvollen Inhaltsstoffe der Milch enthält.

Allerdings ist es für die meisten leider schwer an diese heranzukommen. Schließlich hat nicht jeder einen Milchbauern als Nachbar.

Auch Ziegenmilch ist eine angemessene Alternative.

Sie ist für deinen Körper leicht verdaulich und enthält sogar mehr Kalzium als Kuhmilch. Außerdem ist Ziegenmilch reich an Mineralien. Jedoch befindet sich auch in Ziegenmilch Lactose. Also ist hier Vorsicht geboten, wenn du an einer Lactoseintoleranz leidest.

Bei Joghurt und Kefir wurde die Lactose durch den Fermentationsprozess entzogen.

Ansonsten gibt es noch Kokosmilch, Mandelmilch und Milch anderer Nüsse als Alternative zur Kuhmilch.

Aber bitte verzichte vollkommen auf Sojamilch, die eindeutig NICHT Paleo ist und daher auch nicht als Milchersatz in deinem Kühlschrank landen sollte!

Wie stehst du zu Milch- und Milchpodukten? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

 

Fußnoten   [ + ]

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Paleo Reset 30 Tage Challenge
Über den Autor
Iris ist im beruflichen Leben IT-Prüferin in der Wirtschaftsprüfung. Sie liebt das Kochen und Sport. Beides ist für sie der ideale Ausgleich zu ihrem oft stressigen Berufsleben. Ganz besonders als Mutter einer kleinen Tochter ist ihr gesunde Ernährung und natürliche Bewegung wichtig. Mit Paleolifestyle.de möchte sie auch dir zu einem gesünderen, fitteren und noch erfüllenderen Leben verhelfen - ganz nach dem Motto: "Paleo is not a diet, it's a lifestyle."
7 bemerkungen  |   Kommentare zu oder Hallo sagen Iris

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  1. Hi Iris, vielen Dank für den tollen Beitrag. Die Mär von der gesunden Milch sollte wirklich entschiedener Widerlegt werden.

    Weiter so!

    • Hi Erik,

      vielen Dank!

      Ich bin auch immer für Vorschläge bezügl. neuer Blogbeiträge offen, falls es Themen gibt, die dich besonders interessieren und über die du gerne einen Beitrag auf meinem Blog lesen möchtest.

  2. Guter Artikel. Mor jedoch zu stark auf Kuhmilch ausgelegt. Ziegenmilch wird nur am Rande erwähnt, Schaf- und Stutenmilch gar nicht. Schade, denn wer die Alterantiven genug kennt, wird besfimmt nie mehr zur Kuhmilch greifen (so gings mir).

    • Hallo Michelle, vielen Dank für das Lob und auch für die Ergänzung bzw. Kritik. Das war einer der ersten Artikel, die vor allem Leuten erstmal die Augen öffnen sollte. Die geringere Problematik von Schaf/Ziegenmilch ist mir bewusst (z.B. die A1-A2-Zuchtkuh-Problematik). Darüber kann ich definitiv nochmal eine Ergänzung machen!

      Ich halte übrigens aus rein ethischen Gesichtspunkten Milchkonsum für noch übler als Fleischkonsum. Da sind die Kühe mit hormonen vollgepumpt jeden Tag in so einem Rondel und werden maschinell gemolken. Viel zu schwere Euter, Wunden usw … da würde ich mir als Kuh wünschen, ich würde geschlachtet.

      Was denkst du darüber?

  3. Hallo, mit Interessse habe ich den „Milchartikel“ gelesen. Ich habe auf PALEO umgestellt,
    bis jetzt aber nicht auf Milchprodukte verzichtet. Morgens esse ich z.B. meinen 20 %igen
    Quark mit selbstgemachtem Müsli und Beerenobst.
    Mir geht es aber nicht immer gut. Manche Tage sind super – an anderen habe ich extreme
    Ganzkörperschmerzen und kann nicht viel unternehmen.
    Jeden Morgen Rührei geht nicht, darum weiche ich jeden zweiten Tag auf Quarkmüsli aus.
    Können meine Beschwerden vom Milchkonsum verursacht sein?

    Danke für eine Antwort

    Gruß Christel

    • Hallo Christel,

      am einfachsten kannst du herausfinden, ob deine Beschwerden tatsächlich vom Milchkonsum kommen, wenn du eine Zeitlang mal gänzlich auf jegliche Milchprodukte verzichtest. Sollte dann eine Besserung oder gar Linderung deiner Beschwerden eintreten, hast du die Ursache gefunden.

      Liebe Grüße
      Iris

  4. 13 Schritte für deinen erfolgreichen Paleo-Lifestyle - Oktober 7, 2014

    […] In dem du auf Milchprodukte verzichtest, machst du einen Bogen um Laktose und um Hormone und Antibiotika, die über die Tiernahrung in die Milch gelangen. Die 1,5% Milch aus dem Supermarkt ist viel mehr weißes Wasser ohne Nährstoffgehalt. Wenn es Milch sein soll, dann bitte: Vollfett, von Weidetieren, Rohmilch und direkt vom Erzeuger. Ziegenmilch ist auch eine gute Option! Ach, und deinen Bedarf an Kalzium deckst du über Gemüse ab, dafür brauchst du keine Milch. […]