Leaky-Gut Syndrom  –  Wenn der Darm „undicht“ wird

Leaky-Gut Syndrom – Wenn der Darm „undicht“ wird

Leaky Gut – kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „undichter Darm“. Bezeichnet wird damit eine Erkrankung des Darms, bei der die Barrierefunktion des Darms gestört und die Durchlässigkeit erhöht ist.

Viele Menschen sind davon betroffen – ohne es zu wissen.

Denn Verdauungsprobleme können ein Teil der Symptomatik sein, müssen es aber nicht sein. Lebensmittelunverträglichkeiten, Akne, wiederkehrenden Infekten, Energielosigkeit, Allergien, Autoimmunerkrankungen [Fasano A. 2012. Leaky gut and autoimmune diseases. Clin Rev Allergy Immunol. 201;42(1):71-8] oder depressive Verstimmungen können eng mit dem Darm und der Darmflora bzw. mit einer Störung dieser assoziiert werden (Taneja V. 2014. Arthritis susceptibility and the gut microbiome. FEBS Lett.).

Was ist das Leaky-Gut Syndrom?

Der Darm ist bei einem erwachsenen Menschen 8 Meter lang und besitzt eine Oberfläche von ca. 400-500 m2. Wenn man es sich recht überlegt, ist der Darm eigentlich ein nach Innen gestülptes Rohr und somit ist alles was „im“ Darm ist eigentlich außerhalb unseres Systems.

Der Darm ist mit seinen rund 400 m2 also die größte Fläche in unserem Körper, die mit der Außenwelt in Kontakt ist. Die Haut hat dagegen nur „mickrige“ 2 m2.


Der Darm, mit seiner imposanten Fläche, stellt eine wichtige Barriere zwischen der Außenwelt und des Körperinneren dar.


Der Darm wird im Allgemeinen in zwei große Abschnitte unterteilt – den Dünndarm und den Dickdarm. Dünndarm und Dickdarm unterscheiden sich sowohl in Aussehen als auch in ihrer Funktion stark.

Der Dünndarm ist stark gefaltet, die Oberfläche ist mit Darmzotten (Vili) bedeckt, die wiederum mit mikroskopisch kleinen Zotten, den sogenannten Mikrovili, bedeckt sind. Diese mehrfache Faltung ist enorm wichtig, damit der Dünndarm seine Hauptfunktion, die Nährstoffabsorption, erfüllen kann. Im Dünndarm werden 99% aller Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen, darum muss die Oberfläche so groß wie möglich sein.

Im Dickdarm werden in erster Linie nur noch Wasser und Elektrolyte resorbiert. Doch der Dickdarm ist alles andere als Langweilig. Der Dickdarm bietet ideale Lebensbedingungen für Billionen von Mikroorganismen – der sogenannten Darmflora oder auch als Mikrobiota oder Mikrobiom bezeichnet.

Die Zellen kontrollieren, was rein darf und was nicht.

Leaky Gut

Die Darmzellen funktionieren also wie eine strenge Grenzkontrolle und lassen nur durch, was keinen Schaden anrichten kann.

Kohlenhydrate, Fette und Proteine müssen erst in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt werden, ehe sie durch die Darmzellen hindurch in das Kreislaufsystem geleitet werden.

Um die Aufnahme von Nährstoffen so leicht wie möglich zu machen, besteht die Schicht zwischen Darminneren und den Blutgefäßen aus nur einer einzigen Zellschicht. Die einzelnen Zellen liegen dicht an dicht und sind durch sogenannte „tight-junctions“ (enge Verbindungen) untereinander verbunden. Nur wer den richtigen „Passierschein“ hat, darf in den Körper.

Ist diese Barriere allerdings beschädigt, wie das bei Leaky-Gut Syndrom der Fall ist, dann gelangen unter anderem unzureichend verdaute Nahrungspartikel in die Blutbahn. Der Körper reagiert dann mit einer Aktivierung des Immunsystems und von Entzündungsprozessen.

Konsequenz: Wird die erhöhte Durchlässigkeit des Darms nicht erkannt, behandelt und die auslösenden Faktoren entfernt, kann dies schwere gesundheitliche Probleme mit sich bringen.

Was macht den Darm durchlässig?

Die Ursachen für eine erhöhte Durchlässigkeit (Permeabilität) des Darms können vielfältig sein. Fehlernährung, die entweder direkt die Darmschleimhaut angreift oder indirekt über vermehrte Entzündungsreaktionen wirkt, ist ein Faktor. Andere Faktoren sind Stress, Medikamente und fehlende Regeneration.

Gluten und Lektin machen den Darm durchlässig

Gluten ist das sogenannte Klebereiweiß in bestimmten Getreidearten. Glutenhaltige Getreidesorten sind Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn, Kamut und Triticale.

Gluten besteht aus zwei verschiedenen Proteinen – Glutein und Gliadin. Gliadin hat die Eigenschaft, durch die Bindung an einen Rezeptor in den Darmzellen, die Verbindung zwischen den Darmzellen, den sogenannten „tight juctions“ zu öffnen und so die Durchlässigkeit zu erhöhen [Lammers, KM. et al. 2009. Gliadin Induces an Increase in Intestinal Permeability and Zonulin Release by Binding to the Chemokine Receptor CXCR3. Gastroenterology. 135(1): 194–204].

Lange dachte man, dass dieser Mechanismus nur bei Menschen mit Zöliakie zu beobachten ist. Neuere Studien bestätigen aber den Verdacht, dass auch ein gesunder Darm mit erhöhter Permeabilität reagiert [Drago S .et al. 2006. Gliadin, zonulin and gut permeability: Effects on celiac and non-celiac intestinal mucosa and intestinal cell lines. Scand J Gastroenterol. 41(4):408-19].

Pflanzen haben keine Zähne und „Klauen“ um sich zu verteidigen. Hilflos sind sie jedoch keineswegs. Pflanzen haben andere Mechanismen entwickelt um sich zu schützen, zum Beispiel Lektine.

Lektine sind spezielle Proteine, die sich an Kohlenhydratstrukturen binden und daher in der Lage sind, sich an Zellen und Zellmembranen zu binden. Durch diese Eigenschaft können sich Lektine aus der Nahrung an die schützende Schleimhaut des Darms binden und diese schädigen [Pusztai A, et al. 1993. Antinutritive effects of wheat-germ agglutinin and other N-acetylglucosamine-specific lectins. Br J Nutr. 1993 Jul; 70(1):313-21; Freed D.L.J. 1991. Lectins in food: Their importance in health and disease. J. Nutr. Med. 1991;2:45–64; Kesherwani V. 2007. Production of TNF-alpha, IL-1beta, IL-12 and IFN-gamma in murine peritoneal macrophages on treatment with wheat germ agglutinin in vitro: involvement of tyrosine kinase pathways. Glycoconj J. 24(9):573-82].

Stress und Schlafmangel

Stress, in jeglicher Form, schwächt die Barrierefunktion des Darms und führt zu einer erhöhten Durchlässigkeit. Darum ist es extrem wichtig, dass du neben der Ernährungsumstellung auch aktiv an der Stressreduktion arbeitest.

Stress muss nicht immer negativ sein. Auch positiver Stress (Eustress), wie zum Beispiel ein hartes Training erhöht die Durchlässigkeit. Bei einem sonst gesunden Organismus, ist das kein Problem. Ist das System allerdings schon geschwächt und angegriffen, kann auch das ein Problem sein. Hier solltest du besonders darauf achten, keine potenziell allergieauslösende Lebensmittel zu konsumieren.

Was kann eine Ernährungsumstellung zur Heilung beitragen?

Eine kohlenhydratreduzierte Ernährung nach evolutionärem Vorbild ist essentiell für die Regeneration des Darms. Das zentrale Element einer Ernährung in diesem Kontext ist der Fokus auf Nährstoffdichte und unverarbeitete oder minimal verarbeitete Lebensmittel.

Warum kann hier Paleo  helfen?

Die typische westliche Ernährung ist stark Getreide- und Kohlenhydratbasiert.

Getreide ist nicht nur aufgrund seiner Wirkung auf die Darmschleimhaut äußerst problematisch. Die in Getreide und auch in Hülsenfrüchten enthaltenen Antinährstoffe behindern auch die Aufnahme von wichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen.

Durch die Elimination von Getreide werden also nicht nur schädliche Substanzen aus der Ernährung entfernt, es wird auch Platz für echte Lebensmittel geschafften. Stattdessen stehen bei diesem Ernährungskonzept grünes, blättriges sowie farbenfrohes Gemüse im Zentrum. Kombinierst du dies mit tierischen Eiweiß- und Fettquellen und achtest hierbei besonders auf Herkunft und Fütterung der Tiere, ist eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen gesichert.

Malabsorption und optimale Nährstoffversorgung

Die optimale Nährstoffversorgung ist ganz besonders bei einem bereits geschädigten Darm von großer Bedeutung.

Sowohl die Darmflora als auch die Darmschleimhaut sind elementar für die Absorption von Nährstoffen. Sind Darmflora und -schleimhaut geschädigt, ist auch die Nährstoffabsorption eingeschränkt.

Ein wahres „Super Food“ ist selbstgemachte Knochenbrühe. Sie ist reich an Kalium, Natrium, Calcium, Phosphor, Magnesium und essentiellen Fettsäuren und hilft so die geschädigte Darmschleimhaut wieder aufzubauen.

Knochenbrühe ist zudem eine tolle natürliche Quelle für L-Glutamin. L-Glutamin ist eine Aminosäure, welche eine essentielle Rolle für die Gesunderhaltung der Darmzellen spielt. Ein weiterer Vorteil ist, dass all diese wichtigen Nährstoffe, in einer für den Darm leicht absorbierbaren und wenig belastenden Form in der Knochenbrühe enthalten sind.

 

Hättest du das gedacht?

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