Warum Joggen nichts mit Laufen zu tun hat

Warum Joggen nichts mit Laufen zu tun hat

Ich freue mich besonders über diesen Gastartikel von Emanuel, der als Barfußtrainer sein Wissen für dich kompakt zum Thema gesundes Laufen zusammengetragen hat.

Seit vielen Jahren widmet er sich intensiv den Themen natürliche Ernährung, Bio-Kinematik, Bio-Mechanik und Bewegung.

Emanuel barfuß

Im Januar 2015 hat er seine BAREFOOT ACADEMY in Düsseldorf eröffnet.

Dort kümmert er sich sowohl um Läufer aber auch um jegliche Art von körperlichen Beschwerden, indem er die natürliche Beweglichkeit des Körpers wieder herstellt.

Wenn du dich so gesund wie unsere Steinzeitvorfahren bewegen möchtest und vor allem wenn du gerne joggen gehst, solltest du jetzt besonders aufmerksam lesen!

Die natürliche Fähigkeit zum Laufen verloren

80% aller Jogger verletzen sich durchschnittlich einmal pro Jahr.

Alles an und in uns ist darauf ausgelegt mittelweite und lange Strecken laufen zu können.

Wenn dies also eine so natürliche Bewegung ist, warum verletzen wir uns dann dabei?

Verletzen sich Hunde, wenn sie einen Schlitten kilometerweit im Sprint ziehen? Leiden Kangaroos unter Zerrungen vom Springen durch die Steppe? Haben 80% der Haie Verletzungen durch Schwimmen?

Die Antwort ist klar: NEIN!

Und warum nicht?

Auch diese Antwort ist grundlegend einfach:

Weil sie sich so bewegen, wie es die Funktionalität ihres Körpers vorgibt.

Sie denken nicht darüber nach. Wild lebende Tiere unterliegen, bezogen auf ihre Fortbewegungsart keinem weiteren Einfluss, wohingegen wir von der Sportindustrie, unserer Erziehung und der Gesellschaft beeinflusst werden.

Ein Pferd beispielsweise verfügt über drei natürliche Gangarten: Schritt, Trab und Galopp. Diese sind der Spezies Pferd eigen.

Man könnte nun auf die Idee kommen, es dem Pferd einfacher zu machen und ihm gepolsterte Schuhe anziehen, denn es hat ja nur diese harten Hufe mit denen es laufen muss. Sehr wahrscheinlich würde sich die Gangart des Pferdes verändern und unbeholfen aussehen.

Muskeln, Sehnen und Skelett sind auf diese Bewegung nicht ausgelegt und das Pferd würde sich vermutlich in Folge dessen schnell verletzen.

gesundes Laufen

Genau das passiert bei Menschen, die sich Joggingschuhe anziehen und loslaufen.

Laufen, vielmehr Joggen meint jeder zu können. Das ist im Prinzip auch richtig, denn der Homo Sapiens ist der geborene Läufer. Unsere Spezies verfügt über die drei spezifischen Gangarten: Gehen, Laufen und Sprinten.

Für sie ist unsere gesamte Biomechanik im Laufe von Millionen Jahren evolutionär optimiert worden.

Die meisten Menschen in der westlichen Welt besitzen aber nicht mal mehr die Fähigkeiten richtig zu stehen und zu gehen, da ihre die Muskeln und Sehnen in den Füßen und dem Rest des Bewegungsapparats vom jahrelangen Schuhetragen und täglichem stundenlangem Sitzen verkümmert, verkürzt und deformiert ist.

EINE natürliche Form der Fortbewegung

Nach wie vor herrscht der allgemeine Glaube, jeder Mensch verfüge über seinen eigenen individuellen Laufstil.

Schaut man sich die Teilnehmer bei einem der beliebten Marathon-Läufe an, wird man, abgesehen von der kenianischen Spitzengruppe, bei 100 Läufern vermutlich 100 verschiedene Laufstile sehen können.

Was sieht man aber bei unserer Pferdeherde?

Einen Stil bei allen Tieren. Eine Art zu Traben, eine zu Galoppieren – egal ob Fohlen, Stute oder Hengst.

Sie bewegen sich alle im gleichen Rhythmus, mit der gleichen Schrittlänge und der gleichen Haltung. So wie es ihre natürlich Physiologie vorgibt. Und das ist natürlich nicht nur bei Pferden so, sondern ist in der gesamten Tierwelt zu beobachten: bei einem Vogel- oder Fischschwarm genauso wie bei einem Rudel Wölfe.

Eine Spezies, die gleichen Bewegungsmuster.

Warum sollte es denn beim Menschen anders sein?

Sicher gibt es kleine individuelle Unterschiede in der Physis der Menschen.

Doch, so wie jede Spezies auf diesem Planeten, hat auch der Mensch diese EINE Form sich fortzubewegen. Wir haben sie nur schon in frühen Kinderjahren direkt wieder verlernt und wissen nicht mehr um sie.

Joggen entspricht keiner unserer natürlichen Gangarten.

Es ist eine Dritte, künstlich erschaffene Sportart, die nur mit dem Hilfsmittel des Jogging-Schuhs möglich gemacht wird.

Ende der sechziger Jahre brachte der erste Hersteller den ersten Jogging-Schuh mit Fersendämpfung auf den Markt. Diese neuen, sogenannten funktionellen Schuhe wurden als Meilenstein gefeiert.

Funktional heißt wohl, dass sich sein Nutzer, wie bei einem Fitnessgerät einfach nur „einklinken“ muss und loslegen kann, ohne vorher Technik und Bewegungsabläufe erlernen zu müssen. Der Schuh gibt den Bewegungsablauf vor.

Joggen ist daher bequem. Der Mensch liebt es, bequem zu sein um Energie zu sparen. Außerdem ist Joggen der pendelartigen Gehbewegung sehr ähnlich. Es müssen verhältnismäßig wenig neue Muskelgruppen aktiviert werden.

Ermöglicht durch das Fersenpolster unterm Schuh, landen Jogger wie beim Gehen auf der Ferse. Dabei schießt das 2-3-fache des Körpergewichtes ungebremst in Knöchel, Schienenbein, Knie, Hüfte und Wirbelsäule.

Joggen daher ist eine künstlich erschaffene Bewegung.

gesundes Joggen

Die 2cm Gummi unter der Ferse nehmen dem Jogger dabei nur den ersten Schmerz, der ihn normalerweise daran hindern würde unter dieser Belastung so zu laufen.

Hüpfe ein paar Mal auf der Stelle und komme dabei bewusst mit der Ferse auf. Aua. Du wirst es vermutlich schnell wieder lassen und auf den Vorfuß umstellen.

Die meisten Jogger haben zudem einen langsamen, klebrigen Rhythmus mit langer Bodenkontaktzeit. Sie sind instabil, da ihre Beine sich nicht unter dem Körperschwerpunkt bewegen und müssen diese Instabilität meist durch eine nach vorne gelehnte Haltung des Rumpfes kompensieren.

Die physische Beweglichkeit der Menschen in westlich geprägten Ländern nimmt immer weiter ab. Durch stundenlanges Sitzen und das Tragen von deformierenden Schuhen sind sie gar nicht mehr in der Lage, natürlich zu laufen.

Joggingschuhe geben ihnen die Möglichkeit trotz verkürzter Sehnen und Muskeln in Hüfte, Beinen und Füßen, die im Alltag kaum noch beansprucht werden, diese Sportart auszuüben. Die Schuhe unterstützen den Körper weiter, so wie er es von Stühlen und Schuhwerk gewohnt ist.

Joggen ist zwar zunächst bequemer als richtiges Laufen aber nicht effizienter, denn der Vorschub wird hauptsächlich durch reine Muskelkraft generiert.

Beim Laufen mit gekonnter Barfußtechnik besteht die Bewegung zu 50% aus Kraftaufwand und zu 50% aus Elastizität.

Kommt man mit dem Vorfuß auf, wird die Achilles-Sehne gespannt wie eine Feder und kann beim Absprung diese geladene Energie wieder freigeben. Kommt der Läufer mit der Ferse auf, schießen nicht nur die Aufprallkräfte ungebremst in seinen Körper, er kann auch diesen natürlichen Feder-Mechanismus nicht nutzen. Die Sprungfeder wird dann eher zu einem Stoßdämpfer. Er bremst sich quasi bei jedem Schritt selbst aus und muss für jeden Schritt mehr Kraft aufwenden.

FAZIT

Wir sind zum Laufen geboren und unser Körper reagiert entsprechend positiv darauf, wenn er bekommt, was er braucht.

Der überwiegende Teil der Hobby-Sportler geht aber nicht davon aus, dass ihr Körper dies auch ohne Unterstützung kann und gibt sich blind in die Hände der Sport-Industrie.

Die kulturelle Konvention lautet: Wenn man richtig Laufen will, braucht man gute Joggingschuhe.

Das haben uns die Schuhhersteller über Jahrzehnte gelehrt und in uns verankert.

Da unsere Physis aber für diese unspezifische Belastung nur bedingt ausgelegt ist, sind Verletzungen und Verschleiß vorprogrammiert.

Das trifft im Übrigen auch für das Gehen und das Stehen zu.

Sicher, auch in dicken Schuhen ist der Mensch zu hohen Leistungen im Stande. Unser Körper ist sehr anpassungsfähig. Man kann ihn auch darauf trainieren, dass er 200 Kg stemmen kann. Vieles geht irgendwie.

Die Frage ist aber: zu welchem Preis?

Kommt es auf Zeiten, Kilogramm und Weiten an oder am Ende vielleicht doch eher auf einen gesunden und funktionierenden Körper?

Bewege Dich so, wie es deine Natur vorsieht und du wirst schmerzfrei sein.

 

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Paleo Reset 30 Tage Challenge
Über den Autor
Iris ist im beruflichen Leben IT-Prüferin in der Wirtschaftsprüfung. Sie liebt das Kochen und Sport. Beides ist für sie der ideale Ausgleich zu ihrem oft stressigen Berufsleben. Ganz besonders als Mutter einer kleinen Tochter ist ihr gesunde Ernährung und natürliche Bewegung wichtig. Mit Paleolifestyle.de möchte sie auch dir zu einem gesünderen, fitteren und noch erfüllenderen Leben verhelfen - ganz nach dem Motto: "Paleo is not a diet, it's a lifestyle."
4 bemerkungen  |   Kommentare zu oder Hallo sagen Iris

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  1. Heißt das jetzt, dass Converse und die anderen „flachen, harten“ Schuhe garnicht so ungesund sind oder versteh ich da was falsch?

    • Hallo Isabella,

      egal, ob du nun flache Schuhe oder High Heels trägst, dein Bewegungsapparat wird durch Schuhe normalerweise negativ beeinflusst und hat nicht mehr viel mit der natürlichen Fortbewegung zu tun. Die Belastung auf deinen Bewegungsapparat, die Bewegung selbst und die Beanspruchung der Muskulatur ist mit Schuhen eine andere als ohne. Spezialschuhe von Vivobarefoot oder Vibram sind gute Alternativen zur Unterstützung des natürlichen Laufens.

      Liebe Grüße

      Iris