Warum du Gluten meiden solltest

Warum du Gluten meiden solltest

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Brötchen zum Frühstück gegessen werden, es ein Sandwich zum Mittagessen gibt und am Abend Pasta auf den Tisch kommt.

In all diesen Lebensmitteln steckt Gluten.

Und es scheint fast unmöglich zu sein, es nicht zu essen. Doch wer erst einmal die Umstellung auf Paleo gemacht hat, weiß, dass es gar nicht so schwierig ist, ohne Getreideprodukte auszukommen.

Doch was macht Gluten so ungesund?

Diese Frage möchte ich in diesem Artikel für dich beantworten.

Was ist Gluten?

Gluten ist mittlerweile in aller Munde.

Doch was genau ist eigentlich Gluten?

Gluten ist eine Zusammensetzung von Proteinen der Gruppe Prolamin und Glutenin, das etwa 80% des Eiweiß in Weizen, Gerste und Roggen ausmacht.

Gluten ist auch als „Klebereiweiß“ bekannt. So gibt es dem Teig von Backwaren seine Elastizität.

Doch auch vielen verarbeiteten Lebensmitteln werden glutenhaltige Zutaten wie Mehl, Weizenstärke, Weizenkleie oder auch direkt Gluten zugegeben. Denn Gluten besitzt für die Hersteller von Fertigprodukten viele gewünschte Eigenschaften. Gluten…

  • …geliert,
  • …emulgiert (verbindet Fett mit Wasser),
  • …bindet Wasser,
  • …stabilisiert und
  • …ist guter Trägerstoff z.B. für Aromen.

Jedoch steckt Gluten nicht nur in verarbeiteten Lebensmitteln, sondern auch in Kosmetika, Haarpflegemittel und bei anderen dermatologischen Zubereitungen wird Gluten verwendet.

Warum solltest du Gluten meiden?

In den letzten Jahren rückte Gluten mehr und mehr ins negative Rampenlicht, da viele Menschen behaupten, dass sie eine Glutenunverträglichkeit hätten oder zumindest eine Glutensensitivität.

Insbesondere Menschen mit der Autoimmunerkrankung Zöliakie vertragen keine Getreideprodukte. Ihr Immunsystem reagiert nämlich auf diese ungewöhnlich stark. Ihre Glutenunverträglichkeit äußert sich in einer chronischen Erkrankung bzw. Entzündung der Dünndarmschleimhaut.

Warum sind so viele Menschen glutensensitiv oder sogar glutenunverträglich?

Wir Menschen essen erst seit dem Beginn der Landwirtschaft vor etwa 10 000 Jahren Getreide.

Das Problem mit dessen Verzehr ist, dass unsere Gene bereits vor rund 2 Millionen Jahren entstanden und sie sich genau wie unser Verdauungssystem seitdem nicht viel verändert haben.

Demnach ist es auch nicht verwunderlich, dass die im Vergleich zur Nahrung unseres Steinzeitvorfahrens heute strukturell und chemisch so unterschiedlichen Lebensmittel gesundheitliche Probleme hervorrufen.

Warum gilt dies auch für glutenhaltige Lebensmittel?

Hierzu musst du grob verstehen, wie die Proteinverdauung funktioniert.

Proteine sind als lange Ketten von Aminosäuren aufgebaut.

Es gibt 20 Standard-Aminosäuren. Also stelle dir einfach vor, dass 20 verschieden farbige Perlen auf einer Kette aufgefädelt sind.

Normalerweise werden bei der Verdauung von Proteinen diese in die einzelnen Aminosäuren zerlegt.

Jedes Proteinmolekül besitzt eine bestimmte Reihenfolge von Aminosäuren. Deine Perlen sind also in einer spezifischen Anordnung aneinander gereiht.

Wenn wir nun Proteine über die Nahrung zu uns nehmen, dann werden deine Verdauungsenzyme aktiv, indem sie die Verbindungen zwischen den Aminosäuren trennen. Also wie eine Schere, die deine Perlenkette durchschneidet.

Jede Aminosäure erfordert auch ein anderes Enzym, um sich von seinen Nachbarn zu trennen. So werden die Proteine aus der Nahrung vor der Aufnahme über den Darm – also der Resorption – in Proteinketten bestehend aus 3 bzw. 2 Aminosäuren (Tri- und Dipeptide) sowie in freie Aminosäuren gespalten.

Diese Spaltung durch spezifische Enzyme (Exo- und Endopeptidasen) beginnt bereits im Magen und wird im Dünndarm fortgeführt.

Das Problem bei der Verdauung von Gluten ist, dass es nicht richtig in einzelne Aminosäuren verdaut wird.

Gluten setzt sich aus einer großen Anzahl von zwei bestimmten Aminosäuren – Glutamin und Prolin – zusammen. Hier ist vor allem Prolin das Problem.

Denn die Enzyme im menschlichen Verdauungssystem sind nicht in der Lage, effizient die Peptidbindungen auf beiden Seiten eines Prolin zu brechen.

Die „chemische Schere“ kommt also nicht zum Einsatz, um die langen Reihen von Aminosäuren zu Peptiden zu zerschneiden. So bleibt es dann bei einer kurzen Kette.

Die Problematik liegt also nicht im Gluten selbst, sondern darin, dass es sich aus einer Reihe von kurzkettigen Aminosäuren bzw. Peptiden zusammensetzt, die du und ich nicht weiter verdauen können.

Das sollte eigentlich kein wirkliches Problem darstellen, sofern die unverdauten Peptide innerhalb des Darms bleiben. Denn so „verschwinden“ sie am Ende in der Toilette. Leider trifft dies nicht auf Menschen mit Zöliakie zu.

Die Peptide passieren unverdaut die Darmzellwand von der einen auf die andere Seite und gelangen in den Blutkreislauf.

Wie das?

Dies kann entweder trans- oder parazellulär passieren.

Transzellulär bedeutet, dass sich Gliadin von dem in Schleimhäuten vorhandenen Antikörper namens sekretorischen IgA (sIgA) durch die Darmzellwand transportieren lässt.

Eigentlich sollte diese vor Eindringlingen schützen. Doch Menschen mit Zöliakie sind oft anämisch. Sie leiden also unter Eisenmangel.

Schließlich bedeutet ein undichter Darm auch, dass Lebensmittel nicht richtig verdaut und Nährstoffe nicht vollständig absorbiert werden, was zu Nährstoffmangel führen kann.

Durch den entzündeten Darm wird Eisen nicht richtig aufgenommen. Um nun mehr Eisen aufzunehmen, senden die Darmzellen spezielle Transferrinrezeptoren (CD71) bis an ihre Oberfläche. Die Verbindung von SlgA und Gliadin „hängt“ sich nun an diese Rezeptoren und lässt sich von einer Seite auf die andere Seite der Darmzelle transportieren.

Einmal auf der anderen Seite löst sich Gliadin wieder vom sIgA und richtet seinen Schaden an.

Beim parazellulären Weg schafft Gluten Lücken zwischen den Zellen, sodass es sich „hindurch schleichen“ kann.

Stell dir vor, dass normalerweise eine Darmzelle fest an ihrem Nachbar klebt. So wird verhindert, dass unverdaute Nahrung oder Krankheitserreger durch diese Barriere gelangt.

Zöliakie-Patienten besitzen einen erhöhten Zonulinspiegel. Zonulin ist ein Protein, das an der Regulation der interzellulären Kontakte, der sogenannten Tight Junction, in der Darmwand beteiligt ist.

Ein erhöhter Zonulinspiegel bedeutet, dass die Tight Junctions gelockert werden. Damit entsteht quasi ein Weg zwischen den Zellen für die Gliadinpeptide, sodass diese durch die Darmzellwand gelangen und eine Autoimmunreaktion begünstigt wird.

Gluten verursacht Darmentzündungen in mindestens 80% der Bevölkerung und weitere 30% der Bevölkerung entwickeln Antikörper gegen Gliadin. Eigentlich sollte die Bildung von Antikörpern gut sein, da sie verhindern, dass Gliadin in die Blutbahn eindringt.

Doch Gliadin ähnelt in seiner Struktur anderen Proteinen in Geweben von Organen wie deiner Schilddrüse, deines Herzens oder deiner Bauchspeicheldrüse. So greifen diese Antikörper am Ende diese Organe an und lösen damit Autoimmunerkrankungen wie Hypothyreose, Morbus Crohn und Typ 1-Diabetes aus.

Neben den vielen Problemen, die durch eine Glutenunverträglichkeit hervorgerufenen werden wie Reflux, Verdauungsstörungen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Entzündungen und Schädigung der Darmschleimhaut sowie schlechte Nährstoffaufnahme, kann Gluten sogar Nerven schädigen.

Gluten beeinflusst nämlich auch das Gehirn und Nervensystem!

So zeigen Studien von Menschen mit Zöliakie, dass viele von ihnen neuromuskuläre Probleme, einschließlich peripherer Neuropathie und Ataxie (Schwierigkeiten mit Bewegungskoordination) besitzen.

Damit sieht es so aus, als würden Antikörper als Reaktion auf Gluten auch Entzündungen und Schäden einiger Nerven- und Gehirnzellen verursachen.

Gluten scheint zudem auch darüber hinaus Auswirkungen auf das Gehirn zu haben.

So wird es mit nebligen Denken, Depressionen und ADHS-Symptomen in Verbindung gebracht. Bei Kindern mit Autismus haben viele Eltern anekdotische Verbesserungen ihrer Kinder feststellen können, nachdem jegliches Gluten gemieden wurde.

Vorteile der glutenfreien Ernährung

Du bist noch nicht überzeugt, zukünftig auf deine Pasta zu verzichten?

Das bist du ganz bestimmt, sobald du es ausprobiert hast und schnell die Vorteile der Ernährung ohne Gluten bemerkst. Hierzu gehören…

  • glücklicher Darm
  • …verbesserte Nährstoffaufnahme
  • Gewichtsregulierung
  • …reduzierte Blähungen
  • …reduzierte Entzündungen
  • …bessere Konzentration
  • …verbesserter Energieniveau
  • …verbesserter Stoffwechsel
  • …reduziertes Aufstoßen

FAZIT

Zöliakie-Betroffene reagieren stärker auf Gluten als Menschen ohne Zöliakie.

Dennoch zeigen die meisten von uns eine negative Reaktion beim Konsum von Getreideprodukten.

Eines der Hauptprobleme ist, dass Gluten in den meisten verarbeiteten Lebensmitteln enthalten ist. Selbst in Produkten, in denen du es nicht erwarten würdest.

Mit der Paleo-Ernährung bist du daher auf der sicheren Seite, dass du kein Gluten zu dir nimmst. Schließlich meidest du zum einen Getreideprodukte und zum anderen verwendest du nur frische Produkte für die Zubereitung deiner Mahlzeiten.

Die gute Nachricht ist also, dass Fleisch, Geflügel, Fisch, Gemüse und Obst kein Gluten enthalten und dir damit immer noch eine Fülle von Zutaten zum Kochen zur Verfügung stehen.

Wenn du gerne noch ein paar wissenschaftliche Artikel hierzu lesen möchtest, dann kann ich dir die folgenden empfehlen:

#1 Die Geschichte von Zöliakie

#2 Zöliakie und Glutenunverträglichkeit

#3 Glutenempfindlichkeit als eine neurologische Krankheit

#4 Glutenunverträglichkeit bei Gliadin-Antikörpern

#5 Die Wiedereinführung von Gluten bei Erwachsenen und Kindern nach der Behandlung von Zöliakie

 

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Paleo Reset 30 Tage Challenge
Über den Autor
Iris ist im beruflichen Leben IT-Prüferin in der Wirtschaftsprüfung. Sie liebt das Kochen und Sport. Beides ist für sie der ideale Ausgleich zu ihrem oft stressigen Berufsleben. Ganz besonders als Mutter einer kleinen Tochter ist ihr gesunde Ernährung und natürliche Bewegung wichtig. Mit Paleolifestyle.de möchte sie auch dir zu einem gesünderen, fitteren und noch erfüllenderen Leben verhelfen - ganz nach dem Motto: "Paleo is not a diet, it's a lifestyle."
1 kommentare  |   Kommentare zu oder Hallo sagen Iris

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  1. Hi Iris,

    toller Artikel mit vielen wertvollen Infos! Ich habe früher als Kinderkrankenschwester gearbeitet und ein paar an Zölliakie erkrankte Kinder gesehen. Zum Glück ist diese Krankheit reversible…wenn man gluten-frei lebt.

    Das stimmt, dass die meisten Menschen Gluten echt nicht vertragen aber erzähl mal jemand, dass er auf Brot und Nudeln verzichten soll. Selbst wenn es ihm dann besser geht. Die meisten haben Angst vor ein Verlust der Lebensqualität. Auch wenn die derzeitigeuch nicht so toll ist.