Autoimmunerkrankungen erkennen und frühzeitig behandeln – Erfahre hier, wie!

Autoimmunerkrankungen erkennen und frühzeitig behandeln – Erfahre hier, wie!

Über 10 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Autoimmunerkrankungen, einer chronischen Fehlleitung des Immunsystems. Entzündungen im Körper tragen massiv dazu bei. Als zentrale Anlaufstelle für Autoimmunerkrankte gibt es nun das Autoimmunportal. Erfahre hier, was Autoimmunerkrankungen sind, wie Du Autoimmunerkrankungen erkennen und dagegen unternehmen kannst.

 

Was ist das Immunsystem?

Um Autoimmunerkrankungen zu verstehen, musst Du auch das Immunsystem verstehen. Denn es sind die Immunzellen, die bei einer Autoimmunerkrankung fehlgeleitet werden.

Das Immunsystem ist Deine körpereigene Abwehrtruppe vor Feinden. Es gibt im Körper verschiedene Barrieren gegen Feinde:

  • Haut und Magen-Darm-Trakt sind dabei die äußere Immunbarriere, sie halten das Gröbste davon ab, in Deinen Körper zu gelangen.
  • Dann kommt das Immunsystem: Es kümmert sich als mobiles Einsatzkommando um lokale Wunden und ist überall zur Stelle, wo Krankheitserreger in den Körper gelangen können.
  • Krankheitserreger, die es bereits in den Körper geschafft haben, sind natürlich auch Ziel der Immunzellen.

Das Immunsystem bekämpft zusammengefasst Krankheitserreger wie Bakterien, Viren, Würmer, andere Parasiten, unverdaute Proteine und Giftstoffe, und baut alte und kaputte Zellen ab. Das ist auch wichtig, damit Platz für neue Zellen geschaffen wird. Denn es ist ein ständiges Kommen und Gehen im Körper und im Immunsystem.

Ohne Dein Immunsystem würdest Du bereits nach kurzer Zeit verschiedenste Infektionen erleiden und an ihnen sterben. Das Immunsystem ist die Antwort der höheren Lebewesen auf Einzeller, mit denen ein ständiger Kampf ums Überleben herrscht. Das Immunsystem gibt unserem Körper als mobiles Einsatzkommando die Flexibilität und die Schlagkraft, mit diesen Einzellern fertig zu werden.

Die Erkennung von Feinden erfolgt über spezielle Proteine auf den Oberflächen von Immunzellen, nämlich Antikörpern, TCR und TLR.

 

Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Eben hast Du noch von den Oberflächenproteinen auf Immunzellen erfahren. Es ist natürlich fundamental, dass diese Proteine auf den Immunzellen an Feinde binden und sie markieren, während sie körpereigene Zellen verschonen. Dies nennt man Freund-Feind Unterscheidung oder Selbsttoleranz von körpereigenen Zellen.

Bei Autoimmunerkrankungen ist diese Unterscheidung verloren gegangen, die Selbsttoleranz geht gegenüber einem bestimmten Gewebe verloren, und Immunzellen greifen fortan körpereigene und gesunde Zellen an:

Sie erkennen diese Zellen als Feind, attackieren, bekämpfen und zerstören sie. Je nachdem, welches Gewebe gerade betroffen ist, kann dieses Gewebe seine ursprüngliche Funktion nicht mehr ausführen, Gesundheit und Lebensqualität leiden massiv unter der Autoimmunerkrankung.

Und je nachdem, welches Gewebe betroffen ist, kennst Du vielleicht ein paar bekannte Vertreter von Autoimmunerkrankungen:

Betroffenes Gewebe:      Beispielhafte Autoimmunerkrankung

Schilddrüse: Hashimoto Thyreoiditis, Morbus Basedow

Bauchspeicheldrüse: Diabetes Typ 1

Bindegewebe: Lupus Erythematodes, Rheumatoide Arthritis

Haut: Vitiligo, Sklerodermie, Schuppenflechte

Haarwurzeln: kreisrunder Haarausfall

Nervenzellen: Multiple Sklerose

Blutzellen: Antiphospholipid-Syndrom

Zusatz: Neurodermitis gehört nicht zu den Autoimmunerkrankungen, sondern ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung.

Das sind nur ein paar Beispiele, die bekannteren und häufigeren unter den Autoimmunerkrankungen. Tatsächlich sind aktuell etwa 140 Autoimmunerkrankungen beschrieben. Theoretisch kann in jedem Gewebe im Körper mindestens eine Autoimmunerkrankung entstehen, in einigen Gewebetypen sogar mehrere (zum Beispiel Schilddrüse).

 

Wie viele Menschen leiden an einer Autoimmunerkrankung?

Genaue Zahlen gibt es für Deutschland nicht. Es gibt aber Studien, die sich mit der Prävalenz von Autoimmunerkrankungen in den USA beschäftigen1-9, aber diese Zahlen sind reichlich untertrieben und sehr ungenau, was die Autoren auch selber zugeben1-9.

Was wir also tun können ist, die Häufigkeit einiger Autoimmunerkrankungen, die sehr häufig vorkommen, aufzuaddieren. Das ergibt eine grobe Zahl, wie viele Menschen in Deutschland an Autoimmunerkrankungen leiden:

Hashimoto: 4-8 Millionen

Diabetes Typ 1: 800.000

Multiple Sklerose: 200.000

Lupus Erythematodes: 400.000

Rheumatoide Arthritis: 800.000

Psoriasis: 2-4 Millionen

Anti-Phospholipid-Syndrom: 2-3 Millionen

Zöliakie: 600.000-800.000

Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa: ca. 500.000

Addieren wir nun die Durchschnittswerte dieser einzelnen Autoimmunerkrankungen auf, landen wir bei einem Wert von 10-15 Millionen Autoimmunerkrankten in Deutschland. Das ist natürlich nur eine Schätzung – keine Volkszählung oder groß angelegte Studie kann diese Zahl genau sagen.

Aber für viele einzelne Erkrankungen gibt es ungefähre Werte für Erkrankte in Deutschland, die müssen nur aufaddiert werden.

Und ganz unter uns: 10-15 Millionen ist dramatisch! Selbst Typ 2 Diabetes betrifft aktuell “nur“ 7 Millionen Menschen in Deutschland. Autoimmunerkrankungen können im schlimmsten Fall doppelt so viele sein. Nach Herzkreislauf-Erkrankungen und Krebs sind Autoimmunerkrankungen daher die dritthäufigste Erkrankungskategorie in Deutschland.

Und Autoimmunerkrankungen können ebenso einschneidend in der Lebensqualität sein, fragen Sie einmal Betroffene von Lupus Erythematodes oder rheumatoide Arthritis.

Warum Autoimmunerkrankungen so häufig sind und so rasant zunehmen, ist Gegenstand eines anderen Beitrags. Wichtig ist, eine Autoimmunerkrankung möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Denn es kommt mit Fortschreiten der Erkrankung zu einem fortschreitenden Schaden im Körper, der immer mehr irreparabel wird.

Je früher Autoimmunerkrankungen erkannt werden, desto besser. Es gibt ein paar sehr allgemeine Symptome, die in Autoimmunerkrankungen verstärkt kommen und die einen ersten Hinweis liefern können:

 

Autoimmunerkrankung erkennen – Symptome

Theoretisch kann in jedem Gewebe im Körper eine Autoimmunerkrankung entstehen. Das ist auch der Grund, warum mittlerweile ca. 140 verschiedene Autoimmunerkrankungen bekannt sind. Die Symptome sind dabei sehr vielschichtig, können sich auf das betroffene Organ beschränken (z.B. auf der Haut), jedoch auch systemisch, d.h. im ganzen Körper, wirken.

Wenn das passiert, sind die Symptome recht allgemein. Du kannst die Symptome aber erkennen oder zumindest eingrenzen. Wenn Du oder ein Dir nahestehender Mensch öfter an solchen Symptomen leidest, solltest Du hellhörig werden:

  • Gewichtsverlust: Ohne Änderung der Ernährung oder des Sportpensums
  • Wiederkehrende Fieberschübe
  • Chronische Müdigkeit
  • Wiederkehrende Infekte
  • Haarausfall, auch schon in jungen Jahren
  • Schlafprobleme
  • Konzentrationsstörungen den ganzen Tag
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen und abnehmende Muskelkraft
  • wiederkehrende Übelkeit
  • Wiederkehrende Kopfschmerzen
  • Darmprobleme und Leaky Gut Syndrom
  • Abwechselnd Hitzewallungen (s. Hashimoto Symptome) und Frösteln, auch außerhalb der Wechseljahre

 

Was tun, wenn ich eine Autoimmunerkrankung vermute?

Wenn Du an mehreren der genannten Symptome, und das öfters, leidest, solltest Du hellhörig werden. Die beste Strategie ist zunächst, ein Symptomtagebuch zu führen:

Schreibe Dir auf, welche Symptome wann und wie stark auftreten. Sollten die Symptome persistieren, sich ausweiten oder gar schlimmer werden, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen und mit ihm darüber zu sprechen.

Dazu werden Ärzte der funktionellen Medizin empfohlen, da diese sich am besten mit der Diagnose und Behandlung von Autoimmunerkrankungen auskennen.

Aber keine Panik: Da es allgemeine Symptome sind, müssen nicht zwangsläufig Autoimmunerkrankungen die Ursache hinter den Symptomen sein. Es könnte auch eine Infektion sein, Allergie, oder eine andere Erkrankung.

Wenn Du einen Autoimmunprozess in einem bestimmten Gewebe vermutest, kannst Du das dem Arzt sofort mitteilen; außerdem hilft Dir vielleicht das Autoimmunportal weiter, wenn Du noch offene Fragen hast.

Beobachten, aufschreiben, aufmerksam sein, und bei einem härteren Verdacht einen Arzt aufsuchen. Aber bloß keine Panik.

 

Die zentrale Anlaufstelle im Internet für Autoimmunerkrankungen

Das Autoimmunportal wird schon in kurzer Zeit das größte deutsche Portal für Autoimmunerkrankungen und zentrale Anlaufstelle für Betroffene sein. Zahlreiche Artikel und Hilfestellungen helfen Betroffenen und Menschen mit Verdacht weiter, ihre Autoimmunerkrankung besser zu verstehen, Symptome zu erkennen, die Diagnose zu unterstützen, und geben wertvolle Informationen, um die Behandlungschancen zu maximieren.

Wenn Du selbst oder ein Dir nahestehender Mensch den Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung hegt, oder bereits eine Erkrankung diagnostiziert wurde, so teile Betroffenen bitte diese Seite mit. Ziel ist, möglichst viele Betroffene zu erreichen und ihnen weiterhelfen zu können.

Dafür sind wir auf Deine Hilfe angewiesen!

 

 

Quellenverzeichnis

  1. Bove, Riley M. (2018): Why monkeys do not get multiple sclerosis (spontaneously): An evolutionary approach. In: Evolution, medicine, and public health 2018 (1), S. 43–59. DOI: 10.1093/emph/eoy002.
  2. Cooper, Glinda S.; Bynum, Milele L. K.; Somers, Emily C. (2009): Recent Insights in the Epidemiology of Autoimmune Diseases: Improved Prevalence Estimates and Understanding of Clustering of Diseases. In: Journal of autoimmunity 33 (3-4), S. 197–207. DOI: 10.1016/j.jaut.2009.09.008.
  3. Cooper, Glinda S.; Stroehla, Berrit C. (2003): The epidemiology of autoimmune diseases. In: Autoimmunity reviews 2 (3), S. 119–125.
  4. Deodhar, S. D. (1992): Autoimmune diseases: overview and current concepts of pathogenesis. In: Clinical biochemistry 25 (3), S. 181–185.
  5. Fasano, Alessio (2012): Leaky gut and autoimmune diseases. In: Clinical reviews in allergy & immunology 42 (1), S. 71–78. DOI: 10.1007/s12016-011-8291-x.
  6. Han, Dug Yeo; Fraser, Alan G.; Dryland, Philippa; Ferguson, Lynnette R. (2010): Environmental factors in the development of chronic inflammation: a case-control study on risk factors for Crohn’s disease within New Zealand. In: Mutation research 690 (1-2), S. 116–122. DOI: 10.1016/j.mrfmmm.2009.09.002.
  7. Hayter, Scott M.; Cook, Matthew C. (2012): Updated assessment of the prevalence, spectrum and case definition of autoimmune disease. In: Autoimmunity reviews 11 (10), S. 754–765. DOI: 10.1016/j.autrev.2012.02.001.
  8. Jacobson, D. L.; Gange, S. J.; Rose, N. R.; Graham, N. M. (1997): Epidemiology and estimated population burden of selected autoimmune diseases in the United States. In: Clinical immunology and immunopathology 84 (3), S. 223–243.
  9. Lerner, Aaron; Jeremias, Patricia; Matthias, Torsten (2015): The World Incidence and Prevalence of Autoimmune Diseases is Increasing. In: International Journal of Celiac Disease 3 (4), S. 151–155. DOI: 10.12691/ijcd-3-4-8.

 

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Über den Autor
Ich heiße Martin und bin studierter Biotechnologe von der TU München. Das an der Uni, privat oder durch Ausprobieren erworbene Wissen und die Erfahrungen aus über 6 Jahren Paleo möchte ich mit Dir teilen. Ich sehe mich nicht als Experten (dazu stehe ich noch zu weit am Anfang meiner wissenschaftlichen Karriere), sondern als Ratgeber, als "Denkanstoßer" :-)
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