Was ist Biohacking? – Interview mit Janis Budde von Primal State

Was ist Biohacking? – Interview mit Janis Budde von Primal State

# Hey Janis, Du bist Biohacker, Blogger und neuerdings auch Kleinunternehmer. Stell Dich doch kurz vor: Wer bist Du, was machst Du und wofür stehst Du?

Mein Name ist Janis, ich bin 24 Jahre alt und betreibe seit Anfang letzten Jahres meinen Blog www.Primal-State.de wo ich unter anderem über Ernährung, Fitness, innere Einstellung und Biohacking schreibe und philosophiere.

Die Begeisterung für diese Themen hatte ich schon seitdem ich 14 war und ein Buch über NLP in der Hand hielt. Dort fing es an, dass ich mich über die geistigen Vorgänge im menschlichen Körper befasste – ich war begeistert! Gesundheitliche Beschwerden und Konzentrationsprobleme brachten mich dann immer mehr auf das Feld der Ernährung und Fitness. Mit den Jahren habe ich dann viele interessante Persönlichkeiten kennengelernt und haufenweise Bücher zu den Themen gelesen. Mir war klar, dass ich neben meiner Ausbildung zum Physiotherapeuten mein Wissen irgendwie weiter geben wollte und fing dann an zu bloggen.

# Was hast Du in letzten Jahre alles über Ernährung mitgenommen, welche Probleme gab es, was hast Du daraus gelernt und was kannst Du anderen empfehlen, wenn sie ihre Ernährung verbessern möchten?

Ich bin mit meinen Ansichten immer wieder gegen die Wand gefahren, weil ich oft zu sehr in der Ernährung pauschalisiert habe und das ist ein Fehler, den viele Menschen machen. Natürlich sollte eine Ernährungsweise gut verständlich sein und für jeden zugänglich, doch Pauschalisierungen können in der Ernährung fatal sein. Man muss verstehen dass alles Kontextabhängig ist und individuell auf Person und Umstände angepasst werden muss. Sätze wie „Macht das dick?“ oder „Ist das ungesund?“ höre ich beispielsweise sehr oft. Doch so einfach ist das nicht, denn es kommt nicht nur auf das was, sondern auch auf das wieviel und wann an.

Wenn ich jemanden Grundsätze mit auf den Weg geben müsste, der absolut keine Ahnung von Ernährung hätte wären das folgende:

1. Verzichte auf jegliche Fertigprodukte und fange an selbst zu kochen.

2. Schraub Deinen Zuckerkonsum herunter und ersetze Süßigkeiten mit Beeren, einigen Nüssen und Zartbitterschokolade mit einem hohen Kakaoanteil.

3. Lass die Zwischenmahlzeiten weg und bringe Deinen Körper wieder in seinen natürlichen Kontext: Der Wechsel zwischen Abbau und Aufbau.

4. Gemüse, gesundes Fett und Nose-To-Tail garantieren eine immense Spannbreite an wichtigen Nährstoffen.

Erst wenn diese Basis geschaffen ist, würde ich zu Supplementen raten. Ich weiß dass Nahrungsergänzungsmittel in der Paleo-Szene ein kritisches Thema sind, was ich auch nachvollziehen kann – immerhin gab es damals sicherlich keine Kapseln, Pillen und Pülverchen die sich die Menschen zu sich nahmen. Dennoch können sie von unvorstellbaren Wert sein wenn sie richtig eingesetzt werden. Auch hier müssen wir aufpassen mit Pauschalisierungen:  Nur weil etwas natürlich ist, ist es nicht gleichzeitig gesund. Nur weil etwas verarbeitet wurde, ist es nicht gleichzeitig ungesund. Auch hier ist das „wie“ wieder der entscheidende Faktor.

# Was hat es mit Biohacking genau auf sich und was hat das mit Paleo zu tun?

Biohacking ist im Prinzip die Verbindung zwischen biologischen Vorgängen – also der Physiologie – und der Ethik der Hacker. Hacker wollen Systeme verstehen, um sie zu übernehmen und für eigene Zwecke zu modulieren. Populär ist diese Philosophie durch Tim Ferris und seinem Buch „The 4-hour body“ geworden. Dort beschreibt er Methoden mit denen er mit kleinstmöglichen Aufwand die größtmöglichen Resultate in der Optimierung seines Körpers erzielt.
Ziemlich geeky, aber genau mein Ding. In den letzten Jahren hat dann Dave Asprey mit seinem Blog ziemlich Wirbel gemacht und spätestens seit seinem „Bulletproof Coffee“ ist er auch in der Paleo Szene weit bekannt.

Biohacking hat also erstmal nichts mit Paleo zu tun. Die Verbindung kommt daher, dass viele Biohacker (z.B. Ben Greenfield oder Jack Kruse) den Paleo-Lifestyle als Template für ihre weiteren Experimente verwenden, weil sie bereits so viele Punkte für eine optimale Leistungsfähigkeit und Gesundheit mit sich bringt.

Und dann kann es auch mal richtig verrückt werden: Experimente wie Eisbäder, Ketose oder intermittierendes Fasten werden unter der Beobachtung der eigenen Daten durchgeführt. Das heißt, dass mit elektronischen Geräten der Schlaf, der Stress oder Ähnliches gemessen werden können und regelmäßige Bluttests weitere wichtige Daten liefern. Du musst Dir das als extrem individualisierte Studie an dir Selbst vorstellen. Angepasst an Deine Umstände, Deinen Körper und Deinen Lifestyle. Die Daten die dabei herauskommen sind bei der richtigen Anwendung Gold wert. Denn mit groß angelegten Studien kannst Du zwar schon in eine bestimmte Richtung peilen, das Feintuning kannst Du allerdings nur an Dir selbst vornehmen.

Paleo Ernährung

# Du betreibst zusätzlich zum Blog neuerdings eine kleine Unternehmung im Nahrungsergänzungsmittel-Bereich, was hat es damit auf sich?

Das ist eine ganz einfach Geschichte und erklärt sich durch meine eigenen Bedürfnisse und die Nachfrage meiner Leser. Neben kleinen Exkursen in die Rohkost und vegane Richtung habe ich gemerkt, dass die Paleo Diät ein viel besseres Fundament für meine Ernährungsweise bietet. Sie deckte einfach viel mehr Nährstoffe ab und war in vielerlei Hinsicht wissenschaftlich fundierter. Nach und nach habe ich die Ernährungsweise dann auf meine Bedürfnisse angepasst und als Biohacker viel mit Nahrungsergänzungsmittel herumgespielt. Was mich allerdings immer wieder störte war die Tatsache, dass viele Nahrungsergänzungsmittel von minderer Qualität waren, schädliche Zusatzstoffe enthielten oder kaum erschwinglich waren. Also gründete ich Anfang diesen Jahres – also noch nicht allzulange – die Primal State UG.

Mein Ziel ist es reine Produkte ohne Zusatzstoffe und aus hochwertigen Quellen anzubieten, die für jeden erschwinglich sind.

Meine ersten beiden Produkte das MCT Öl und das Primal Whey heben sich stark vom Markt ab und gehen einen ganz eigenen Weg. MCT Öl nutze ich schon länger und habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Sei es im Bulletproof Coffee oder als Speiseölersatz. Es wird aus Kokosöl und Palmkernöl gewonnen und bietet dem Körper eine schnelle Energiequelle, welche sofort verstoffwechselt wird. Bei den gängigen MCT Ölen hat mich immer gestört, dass sie eine schlechte Zusammensetzung der Fettsäuren haben und die qualitativ hochwertigen MCT Öle nicht wirklich erschwinglich sind. Also macht ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Hersteller, der mir erstens eine hochwertige Zusammensetzung zu einem guten Preis herstellte und mir das MCT Öl mittlerweile in Glasflaschen ausliefert. Das gefällt mir besonders gut, da sich BPA und andere Weichmacher in Plastikflaschen lösen und so das Öl belasten.

Das Primal Whey habe ich aus der Not heraus konzipiert. Ich war lange auf der Suche nach einem Molkeprotein von Weidekühen, hatte auch lange eine Marke aus Neuseeland, welche dann leider den Verkauf in Deutschland einstellte. Also musste ein Neues her, das Primal Whey. Das Whey ist 100% rein, von Kühen aus Weidehaltung und frei von irgendwelchen Zusätzen – sowas findet man leider selten, weil die meisten Hersteller Zucker, Geschmacksstoffe und andere unnötigen Substanzen beisetzen. Ich und auch meine Leser möchten ein reines Produkt, ohne schädliche Zusatzstoffe.

Aktuell bin ich dabei noch drei andere Produkte zu entwickeln, eines davon möchte ich auch auf der PaleoConvention dieses Jahr vorstellen.

# Wofür benutzt Du selbst die Produkte?

Das MCT Öl nutze ich, um länger in der Fettverbrennung zu bleiben. Früher habe ich beispielsweise klassisches intermittierendes Fasten ausgeübt. Also in einem kleineren Zeitfenster essen und in der restlichen Zeit nur trinken. Dann bin ich durch Dave Asprey darauf gestoßen, dass man zum Frühstück Fett – in meinem Fall ein Bulletproof Coffee – zu sich nehmen kann und trotzdem noch die vollen Vorteile des intermittierenden Fasten hat. Gleichzeitig verringere ich allerdings den körperlichen Stress, den Fasten mit sich bringt. Wer edubily.de kennt und „Das Handbuch zu ihrem Körper“ gelesen hat, der weiß welche Auswirkungen intermittierendes Fasten auf den Körper haben kann.

Das Primal Whey nutze ich, wenn ich zu Mittag keine Zeit habe ein Steak, Fisch oder Ähnliches zuzubereiten, aber genug Protein zu mir nehmen möchte. Auch nach sportlichen Aktivitäten trinke ich einen Shake mit Primal Whey, Kakaopulver und etwas Honig. Es gibt viele Einsatzgebiete, die Möglichkeiten sind schier unendlich, je nachdem welche Ziele man hat.

# Welche Biohacks nutzt Du momentan?

Neben den typischen Hacks die ich täglich anwende wie Kälte-Exposition unter der kalten Dusche oder intermittierendes Fasten, bin ich aktuell dabei verschiedene Dinge auszuprobieren, um meine Schlafqualität noch weiter zu verbessern.
Ich experimentiere dafür aktuell sehr viel mit ätherischen Ölen. Es ist erstaunlich welche profunden Wirkungen spezielle Gerüche auf die Chemie und den Gemütszustand des Körpers haben können. Jeder kennt es, man riecht etwas und direkt kommt ein altes Gefühl hoch. Die Gefühle sind meist sehr stark an den Geruch verknüpft. Im NLP nennt man so etwas ankern. Doch es gibt auch Gerüche an die gar keine Erinnerungen dranhängen müssen und trotzdem haben sie eine starke Wirkung auf den Körper. Ein wunderbares Beispiel für eine erhöhte Wachheit am Tag ist Zitronengras. Ein anderes Beispiel ist ein Öl, das in mehreren Studien die Ausschüttung spezieller dämpfender Neurotransmitter (GABA) verstärkt hat und somit die Schlafqualität verbessert. Ich möchte dazu allerdings noch nicht zu viel verraten, weil ich gerade selbst mit einer interessanten Kombination experimentiere, die einen sehr potenten Eindruck macht und einen wesentlichen Einfluss auf meine Daten im Schlaftracker – also einem Gerät der meine Schlafphasen misst – hatte.

# Wie sieht Deine tägliche Routine aus? Hast Du spezielle Angewohnheiten oder Rituale, die Dir sehr wichtig sind?

Morgens habe ich eine straffe Routine: Um 6 Uhr morgens klingelt der Wecker und ich gehe erstmal in mein Wohnzimmer und mache 10 Minuten lang Mobilitäts-Übungen und Dehnungen. Anschließend setze ich mich 10 Minuten in den Schneidersitz um zu meditieren und mich in den richtigen Vibe für den Tag zu versetzen. Nach diesen 10 Minuten gehe ich in die Küche, brühe mir einen Kaffee auf und nehme einige Ergänzungsmittel mit einem großen Glas Wasser zu mir. Während der Kaffee noch zieht gehe ich ins Badezimmer und nehme eine 3-Minütige kalte Dusche. Anschließend gehe ich wieder in die Küche um den Kaffee mit Weidebutter und MCT Öl zu einem Bulletproof Coffee zu mixen. Den genieße ich dann in aller Ruhe während ich den Tag im Geiste durchgehe und mir eine kleine To-Do-Liste mache.

Danach steht dann erstmal Arbeit an. An flexiblen Tagen lege ich hier die Aufgaben hin, die eher unangenehm sind und welche ich gerne verschiebe. Das tue ich, damit ich erst gar nicht in Versuchung gerate die Aufgaben auf den nächsten Tag zu legen.

An 2 Tagen in der Woche trainiere ich dann um 12 Uhr – eine kleine Kettlebellroutine die es in sich hat. Ich habe sehr gute Erfahrung mit Workouts mit hoher Intensität und kurzer Dauer gemacht. Dementsprechend dauert mein Workout höchstens 30 Minuten. Ich lege mein Workout kurz vor mein Mittagessen, da ich so auf nüchternen Magen trainiere und meine mitochondriale Biogenese verstärke. Kurz nach dem Workout nehme ich dann ein Protein-reiches Mittagessen mit viel Gemüse und gutem Fett zu mir. Wenn ich kein Fisch oder Fleisch esse, mache ich mir auch gelegentlich einen Whey Smoothie zum Mittagessen und dazu viel frisches Gemüse, Salate und gesundes Fett. Ab und an esse ich aber auch gerne Kohlenhydrate in Form von Süßkartoffeln, Karotten oder Reis zum Mittagessen. Ich versuche allerdings nie große Mengen an Fett und Kohlenhydraten gleichzeitig zu verzehren, sondern wähle immer eine Dominante und reduziere den anderen Makronährstoff. An 2 weiteren Tagen gehe ich zum Kampfsport – dort faste ich allerdings nicht bis zum Training, da es abends ist.

Abends checke ich dann E-Mails, schreibe E-Mails und überprüfe meine To Do Liste. Ich schreibe anschließend einige wichtige Dinge in mein Tagebuch, die ich an dem Tag gelernt habe und schließe den Tag mit kraftvollen Fragen ab. Zwei Fragen davon sind beispielsweise „Worüber bist Du aktuell in Deinem Leben glücklich? Was genau macht Dich daran glücklich?“.

Danach ist Entspannung angesagt. Ich genieße die restliche Zeit des Tages mit meiner Freundin und tue was ich mag. 30 Minuten vor dem Schlafen nehme ich dann schnell noch meine Nahrungsergänzungsmittel, um meine Schlafqualität zu optimieren, mache mich Bett-fertig und schlafe.

Manch einer könnte das Kontrollfreak nennen – doch es hört sich starrer an als es eigentlich ist. Wenn man erstmal eine klare Tagesroutine hat, hat man viel mehr Energie andere wichtige Entscheidungen zu treffen und mehr Zeit für wesentliche Dinge wie Familie und Freunde.

Deine 5 Tipps?

1. Paleo ernähren.

2. Tue jeden Tag etwas, das Dir unangenehm ist oder wovor Du Angst hast.

3. Mehr stehen und gehen – weniger sitzen und fahren.

4. Übe Dich in Humor. Lache mehr.

5. Und für die Geeks: Miss Deine Daten.

Vielen Dank Janis für das super spannende Interview.

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Paleo Reset 30 Tage Challenge
Über den Autor
Leon ist ausgebildeter Food-Coach & Paleo-Coach sowie Gründer der Paleo Convention, Europas größtem Paleo Event. Die praktische Umsetzung eines evolutionären Lebensstils ist seine Leidenschaft. Mit fairment hat er sich kürzlich einen Lebenstraum erfüllt und eine kleine Manufaktur für handgemachten Kombucha gegründet. Seine Freitzeit verbringt er am liebsten mit seiner Frau und seiner Tochter spazierend in der Natur.
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