Gibt es Wissenschaft hinter Paleo?

Gibt es Wissenschaft hinter Paleo?

Gibt es Wissenschaft hinter Paleo?

Wie du in unseren Artikeln oder in Vorträgen sicherlich mitbekommst, sind wir nicht daran interessiert ein schwarz-weiß Denken zu generieren. Die Paleo Ernährung und sein Lebensstil wird immer wieder mal als eine Ersatzreligion daher genommen. Daher möchte ich mal ein paar Einblicke in eine artgerechten Lebensweise geben.

 

Was sind die wissenschaftlichen Hintergründe hinter Paleo?

 

1. Paleo in der paläontologische Forschung

Unter den Evolutionsbiologen und Paläontologen ist bekannt, dass die Agrarrevolution die Gesundheit des Homo sapiens beeinflusst hat. Die menschliche Bevölkerung wuchs schnell nach dem Beginn der Landwirtschaft heran.Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Menschen gesünder geworden sind.

Im Gegenteil: Untersuchungen von fossilen Überresten zeigen, dass neolithische Menschen, welche mit der Landwirtschaft begonnen, nicht so stark und groß wurden wie die paläolithischen Jäger und Sammler 1)http://www.direct-ms.org/wp-content/uploads/2018/01/Cereal-Sword.pdf, 2)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14672287, 3)https://www.amazon.com/Story-Human-Body-Evolution-Disease/, 4)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21507735.

Darüber hinaus waren sie anfälliger für Karies, Malokklusion Gebissveränderungen)5)https://www.zahn-lexikon.com/index.php/m/1235-malokklusion, Parodontitis (auch Paradontose – Zahnfleischbluten) und viele andere ernährungsbedingte Gesundheitsprobleme.

Im übrigen fängt Gesundheit, bevor wir über Ernährung sprechen, im Mund an. Wusstest du, dass Zahnfleischbluten mit Artheriosklerose in Verbindung steht6)https://aubacke.de/arteriosklerose.htm, 7)http://jaha.ahajournals.org/content/2/6/e000254, 8)https://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Bestaetigt__Chronische_Zahninfektion_foerdert_Arteriosklerose1771015589380.html, 9)https://www.zwp-online.info/fachgebiete/parodontologie/mundschleimhauterkrankungen/wechselwirkung-parodontitis-und-allgemeinerkr.

Die gesundheitlichen Folgen sind nicht überraschend, da wir heute eine weniger abwechslungsreiche und stärkehaltigere Ernährung verzehren als unsere Vorfahren vor der Landwirtschaft. Diese Ergebnisse sind konstant, in dem Sinne, dass der Menschen nach dem Übergang von einer Jäger-Sammler-Ernährung zu einer vereinfachten Ernährung, die hauptsächlich aus Getreide und / oder Milchprodukten aufgebaut ist, negative gesundheitliche Folgen hatte. Die Ernährungsumstellung, welche die Landwirtschaft mit sich brachte, ist nicht allein verantwortlich für die Verschlechterung der menschlichen Gesundheit. Es war jedoch zweifellos ein wichtiger Faktor.

2. Paleo & die Genetik

Eine Frage, die sich aus dem vorhergehenden Abschnitt ergibt, lautet: Haben wir die Gesundheitsprobleme überwunden, welche die Agrarrevolution mit sich brachte?

Die kurz-Antwort auf diese Frage ist „nein“. In den vergangenen Jahrtausenden haben sich bestimmte ernährungsbedingte genetische Anpassungen in einigen menschlichen Populationen ausgebreitet und Menschen mit einer verbesserten Fähigkeit ausgestattet, verschiedene Formen moderner Nahrungsmittel zu verdauen und zu verstoffwechseln.

Zum Beispiel hat die natürliche Selektion innerhalb bestimmter Populationen, die in der Geschichte schon länger stärkehaltigen Lebensmitteln verzehrt haben, die Anzahl des AMY1A-Gens 10)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2377015/ erhöht. Ein Gen, welches das Enzym Amylase kodiert. Amylase ist ein Verdauungsenzym, welches Stärke hilf zu verdauen 11)https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/amylasen/3166.

Wir wissen mit Sicherheit, dass wir nicht gut an den Verzehr von Getreide und Milchprodukten angepasst sind (bitte berücksichtige, dass das nicht bedeutet, dass wir NIE Getreide oder Milchprodukte verzehren sollen, sondern die Häufigkeit und Co-Faktoren zusätzlich eine wichtige Rolle spielen)12)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3705319/, 13)https://www.hindawi.com/journals/ijeb/2015/179791/, 14)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23657158.

Die Anpassung ist nur teilweise. Die Aussage wird durch die Tatsache unterstützt, dass wir, genau wie unsere Vorfahren, anfällig sind für Karies, Knochenmineralstörungen und viele andere Gesundheitsprobleme wenn wir viel Getreide und / oder Milchprodukte konsumieren 15)https://www.dovepress.com/the-western-diet-and-lifestyle-and-diseases-of-civilization-peer-reviewed-article-RRCC, 16)http://thepaleodiet.com/dairy-milking-worth/, 17)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18402606, 18)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2632160/.

Lebensmittel bestehen aus einer Vielzahl von verschiedenen Nährstoffen und anderen Verbindungen. Es ist unnötig zu sagen, dass wenn eine Tierart plötzlich eine völlig neue Nahrungsgruppe (und deren Verarbeitung) in ihre Ernährung aufnimmt, nur eine oder mehrere kleinere genetische Veränderungen nicht vollständig für diese Ernährung geeignet sind.

Ein Fazit ist es daran zu denken, dass eine natürliche Selektion nicht notwendigerweise „gesünder“, glücklicher oder langlebiger macht. Wenn man das in Verbindung mit dem Darvinismus bringt19)https://www.youtube.com/watch?v=JX5HNSogzEk,20)https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/darwinismus/16856, dann ist die Reproduktion ein wichtiger Teil der Evolution. Viele Menschen können Milch und Getreide essen und verdauen und haben keine akuten Probleme. Sie können sich sogar vermehren (reproduzieren). Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass es für diese Menschen gesund ist, diese Nahrungsmittel zu konsumieren.

Man kann also davon ausgehen, dass wir noch immer Jäger und Sammler  und kein sitzendes, monoton lebensdes, ständig essendes Lebewesen sind21)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11817904.

3. Gibt es zu Paleo klinische Forschungen?

Manche einer scheint den Eindruck zu haben, dass sehr wenige oder gar keine randomisierten klinischen Studien (RCTs)22)https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=59361, 23)https://zefq-journal.com/article/S1865-9217(08)00130-X/pdf?code=zefq-site das therapeutische Potenzial von Jäger-Sammler-Ernährungen & Lebensstilen untersucht haben. Das ist einfach nicht wahr. In den letzten zehn Jahren wurden mehrere klinische Studien zur altsteinzeitlichen (artgerechter) Ernährung veröffentlicht 24)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21118562, 25)https://academic.oup.com/ajcn/article-abstract/102/4/922/4564680?redirectedFrom=fulltext, 26)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25828624, 27)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24473459, von denen einige vom legendären Forscher Staffan Lindeberg28)https://thepaleodiet.com/staffan-lindeberg-1950-2006-and-his-legacy/, 29)http://relaxman-redaktion.blogspot.com/2013/11/buch-staffan-lindeberg-teil-1.html und seinem Forschungsteam durchgeführt wurden.

Viele Studien zeigen, dass eine altsteinzeitliche Ernährung eine sehr gesunde Ernährung ist (die Eckpfeiler: so natürlich und unverarbeitet wie möglich mit einem guten Bauchgefühl). Einige der Studien haben eine relativ kleine Stichprobengröße, insgesamt jedoch würde ich sagen, dass die klinischen Beweise ziemlich überzeugend sind. Die Ergebnisse der Studien in diesem Bereich weisen alle in die gleiche Richtung. Sie legen nahe, dass eine Paleo-artige Ernährung bei der Behandlung verschiedener metabolischer und entzündungsbedingter Störungen wirksam sind und größere Gesundheitsverbesserungen als andere Ernährungsformen bewirken. Dies ist genau das, was man erwarten würde, da die ursprüngliche Ernährung bestimmte einzigartige Eigenschaften besitzt. Darauf werde ich aber noch einmal zurück kommen!

Man könnte meinen, dass eine fundierte Studienlage dafür spricht, Vollkorn zu verzehren (ich kenne viele, welche jeden Tag zum Abendbrot Vollkorn verzehren. Das ganze immer mit dem gleichen Käse, dem gleichen Aufschnitt, zur gleichen Tagesschau oder TV-Serie, …).

Mehrere RCTs und Metaanalysen haben zeigen, dass der Verzehr von Vollkornprodukten mit verschiedenen positiven Gesundheitsergebnissen verbunden ist 30)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27301975, 31)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28179223. Diese Studien haben allerdings eine Einschränkung: Sie vergleichen die gesundheitlichen Auswirkungen des Vollkornkonsums mit den gesundheitlichen Auswirkungen des Verzehrs von raffiniertem Getreide oder dem Konsum einiger anderer ungesunder Lebensmittel.

Worauf ich hinaus möchte ist, dass es immer wieder Paleo-Gurus gibt (die gibt es auch in der Veganen Ecke, Clean Eating Ecke etc.) die Gluten für alles und jeden beschuldigen. Mal ein Stück Kuchen bei Oma, mal eine Vollkornbrotschnitte zu einer Mahlzeit wird den Darm nicht gleich zerstören. Zeigt dein Körper aber Symptome oder gar Signale, dann solltest du dem nach gehen und gegebenenfalls eine Zeit lang auf Gluten verzichten.

In meinen Augen sollten wir uns nicht im Jungle der Studien verlieren. Es erscheinen täglich zig Untersuchungen. Persönlich picke ich mir am Tag 3 raus und schaue, in wiefern es etwas neues gibt und wie dies in Coachings, Seminaren oder im eigenen Leben eine Rolle spielen könnte.

4. Paleo & die morphologische Forschung

Wir können viel über eine Ernährung eines Lebewesens lernen, indem wir die strukturelle Zusammensetzung dieses Lebewesens studieren. Zum Beispiel sind einige Tiere eindeutig darauf ausgelegt, pflanzliche Kost zu verzehren. Die Kuh zum Beispiel hat ein Verdauungsystem, in dem Billionen von Mikroorganismen damit beschäftigt sind die cellulosehaltigen Pflanzen, welche die Kuh frisst, in Fettsäuren und andere Endprodukte zu verwandeln.

Andere Tiere, wie zum Beispiel der Löwe, haben keine große Fermentationskammer, sondern verlassen sich größtenteils auf ihre eigenen Gene, um die Nahrung, die sie essen, abzubauen.

Typischerweise haben Tiere, die viele Pflanzen fressen, größere Eingeweide als solche, die mehr Fleisch verzehren. DDas ist nicht überraschend, da die letztere Ernährungsform tendenziell kalorienreicher und weniger voluminös ist als die Erstere.

Darüber hinaus verlassen sich pflanzenfressende Tiere auf Mikroorganismen, um die pflanzlichen  Nahrungssubstanzen, die sie aufnehmen, abzubauen. Sie benötigen daher eine „Kammer“, in der ihre Darmmikroben leben und ihre Arbeit verrichten können.

Eine andere Tatsache ist, dass Fleischfresser gegenüber Pflanzenfresser eher saure Mägen haben 32)http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0134116. Dies ist nicht überraschend, da ein saurer Magen eine gute Barriere gegen pathogene Lebensmittel darstellt und auch Salzsäure eine Rolle bei der Proteinverdauung spielt33)https://euleev.de/lebensmittel-und-ernaehrung/eule/207-vegetarier-kontra-fleischfresser-alles-ansichtssache-menschliche-nahrung.

Wo passt unsere Spezies Homo sapiens in all das hinein? Wir sind irgendwo in der Mitte zwischen dem Löwen und der Kuh, die ich schon erwähnt habe. Wir sind nicht ausschließlich für den Fleischverzehr bestimmt. Wir sind jedoch auch nicht ausschließlich für Pflanzen bestimmt. Wir sind keine Carnivoren und keine Herbivoren – Wir sind Allesfresser – also Omnivoren.

Eine Sache, die einige Veganer und Vegetarier manchmal vergessen ist, dass es eine große Menge an Beweisen gibt, dass unsere Vorfahren vor etwa 2,5-3 Millionen Jahren von einer weitgehend pflanzlichen Ernährung auf eine qualitativ hochwertigere, fleischbasierte Ernährung umgestiegen sind 34)http://thepaleodiet.com/evolution-and-high-protein-diets-part-1/. Diese Idee wird nicht nur von archäologischen Forschungen (zB Untersuchungen von Steinwerkzeugen) unterstützt, sondern auch von Studien, die die Evolution des menschlichen Körpers untersuchen.

Als mehr Fleisch und vielleicht auch andere energiereiche Nahrungsmittel wie Knollen in die menschliche Ernährung aufgenommen wurden, begannen die Dickdärme unserer Vorfahren zu schrumpfen 35)http://huntgatherlove.com/content/human-colon-evolution-part-1-comparative-anatomy.

Die morphologische Forschung widerlegt eindeutig die Vorstellung, dass wir ausschließlich Fleisch oder Pflanzen essen sollten. Wir sind eindeutig darauf ausgerichtet, eine Mischung aus beidem zu essen. Darüber hinaus ist es vielleicht interessant darauf hinzuweisen, dass keine der bekannten Tierarten Milch eines anderen Tieres verzehren oder Getreide zu sich nehmen.

Wir wissen nicht genau, wie genau der Darm eines Säugetiers ausschaut, dass darauf ausgelegt ist sich von Getreide, Milchprodukten und verarbeiteten Lebensmitteln zu ernähren. Abgesehen von uns.

Der Mensch ist ein Omnivore | Paleo Lifestyle

5. Paleo & die Ernährungswissenschaft

RCTs, Beobachtungsstudien (über die ich später noch etwas sagen werde), systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen sind bei weitem nicht die einzigen Arten von Studien, die nützlich sind, um etwas über die menschliche Ernährung zu erfahren. In den letzten Jahrhunderten haben wir Menschen große Fortschritte gemacht, wenn es um die Zusammensetzung und Eigenschaften von Nahrung geht.

Wir haben verschiedene Arten von Lebensmitteln und Bestandteile untersucht und ihnen Namen gegeben – Vitamin C , Proteine , Ballaststoffe und so weiter. Wir haben auch untersucht, wie sich der Verzehr verschiedener Lebensmittel auf verschiedene metabolische und entzündliche Parameter auswirkt.

Dies bringt uns zu etwas, das wirklich faszinierend an der ursprünglichen (artgerechten) menschlichen Ernährung ist und sich von der modernen Ernährung unterscheidet. 36)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23657158,37)https://www.dovepress.com/the-western-diet-and-lifestyle-and-diseases-of-civilization-peer-reviewed-article-RRCC,38)https://academic.oup.com/ajcn/article-abstract/81/2/341/4607411?redirectedFrom=fulltext. Die Nahrungsmittel, die Teil der altsteinzeitlichen Ernährung waren, haben unter anderem eine niedrige bis mittlere Energiedichte, einen hohen Sättigungsindex 39)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7498104 und eine hohe Nährstoffdichte 40)http://thepaleodiet.com/eliminating-non-paleo-foods-improves-nutrient-density/. Darüber hinaus haben sie im Vergleich zu Getreidekörnern eine viel geringere Kohlenhydratdichte und verglichen mit fetthaltigen Milchprodukten (z. B. Butter, Sahne, Käse) einen viel geringeren Gehalt an gesättigtem Fett und Gesamtfett. Darüber hinaus besitzen Lebensmittel, welche in einer artgerechten Ernährung verzehrt werden im Vergleich zu Getreide und Milchprodukten weniger Antinährstoffe, Hormone und / oder andere potentiell problematische Verbindungen. Daher ist es nicht überraschend, dass die Paleo-Diät auch in Therapien eingesetzt wird.

Eine große Anzahl an Beweisen zeigen, dass diese Diskrepanzen zwischen der ursprünglichen menschlichen Ernährung (und Lebensweise) und modernen Diäten Ursache für heutige Erkrankungen und Probleme sein kann41)https://www.hindawi.com/journals/ijeb/2015/179791/,42)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23657158,43)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27651516,44)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17045449.

6. Paleo & die Säugetierforschung

Wie bereits erwähnt, ist es für ein Säugetier abnormal, etwas zu verzehren, die große Mengen an Getreide und Milchprodukte enthält. Was viele vergessen ist, dass die Milch jeder Säugetierart, die hier auf der Erde vorhanden ist, durch natürliche Selektion speziell dafür entwickelt wurde, das Wachstum und die Entwicklung der Jungen dieser Spezies zu unterstützen.

Milch ist nicht nur eine weiße Flüssigkeit die reich an Kalzium, Protein und Fett ist. Es ist vielmehr eine ganz besondere Art von Nahrung, die starke immunmodulierende Eigenschaften besitzt und eine Vielzahl von Verbindungen enthält, die bis vor kurzem kein Bestandteil der Ernährung ausgewachsener Menschen waren. Aus einer evolutionären Perspektive ist es für einen menschlichen Erwachsenen sehr abnormal Milch zu trinken. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Verzehr von Milch mit einer Vielzahl gesundheitsschädlicher Auswirkungen in Verbindung gebracht wird.

Wie bereits erwähnt, bedeutet die Tatsache, dass manche Menschen Milch ohne Bauchschmerzen verdauen können nicht automatisch, dass sie gesund ist. Einige Probleme mit Milch können durch Fermentation behoben werden. Auch ist Milch nicht gleich Milch. Handelt es sich um eine Rohmilch von einer Ziege oder einer homogenisierten, pasteurisierten Kuhmilch. Da sind schon  Unterschiede zu machen.

Die Geschichte für Getreide ist etwas ähnlich. Keine der freilebenden Arten auf dieser Erde verzehren eine getreidehaltige Ernährung. Gezähmte Tiere hingegen bekommen oft Getreide. Dies ist einer der Gründe, warum sie nicht so gesund wie ihre wilden Artgenossen sind. Diese einfache Tatsache, dass domestizierte Tiere, die Getreide erhalten, dazu neigen, dick und krank zu werden, sollten uns dazu bringen, zweimal darüber nachzudenken, viel Getreide wir essen. Was in der Tiermast funktioniert, klappt auch super beim Menschen! Natürlich unterscheidet sich unsere Biologie und Physiologie stark von denen einer Kuh. Wir unterscheiden uns aber darin, dass auch wir krank und fett werden, wenn wir eine Ernährung essen und einen Lebensstil leben, die schlecht zu unserer Biologie passt.

Im Gegensatz zu Tieren können Pflanzen nicht vor Fressfeinden flüchten (z. B. Säugetiere, die sie fressen wollen). Sie haben andere Wege entwickelt, sich zu verteidigen. Sie produzieren unter anderem Stoffwechselprodukte, die für ihre Feinde giftig sind. Einige pflanzliche Nahrungsmittel wie Getreidekörner sind besonders reich an diesen sekundären Stoffwechselprodukten, von denen einige in der Lage sind, verschiedene physiologische Prozesse im menschlichen Körper zu stören.

Es wird angenommen, dass unsere Urahnen eine große Vielfalt verschiedener Pflanzen gegessen haben. Die Pflanzenvielfalt damals (auch wenn es heute sehr viele neue Pflanzensorten gibt) war nicht so „ungiftig“ wie heute. Heute verzehren wir häufig mehrfach ein Lebensmittel und trotzen sogar der Saison (Erdbeeren im Winter).

7. Paleo & die anthropologische Forschung

In den letzten Jahrhunderten haben viele Entdecker und Wissenschaftler nicht-verwestlichte, traditionelle Gesellschaften besucht, die noch nicht in der modernisierten Welt leben oder gelebt haben. Einige dieser Reisenden, wie Weston A. Price, dokumentierten die Gesundheit und körperliche Fitness der Menschen, die sie auf ihren Reisen kennen lernten. Während einige Berichte dieser Reisenden eher oberflächlich und subjektiv sind und nur wenige Details enthalten, basieren andere auf umfassenden Gesundheitsuntersuchungen. Diese letzten Berichte sind diejenigen, an denen evolutionäre Ernährungswissenschaftler am meisten interessiert sind.

Das Bemerkenswerteste an den Studien, Büchern und Berichten, welche die Gesundheit traditioneller Bevölkerungen aufzeigen, dass nicht-verwestlichte Menschen (Jäger- und Sammler) weitgehend frei von chronischen Krankheiten wie Diabetes, Darmkrebs, Zöliakie, … sind 45)https://www.dovepress.com/the-western-diet-and-lifestyle-and-diseases-of-civilization-peer-reviewed-article-RRCC,46)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9322559,47)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8077891,48)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3402009/. Darüber hinaus weisen sie im Vergleich zu West-Menschen eine viel bessere kardiovaskuläre und metabolische Gesundheit auf, gemessen anhand von Bewertungen verschiedener Blutmarker 49)https://www.dovepress.com/the-western-diet-and-lifestyle-and-diseases-of-civilization-peer-reviewed-article-RRCC,50)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9322559,51)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8077891,52)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3402009/. Als beispielsweise Staffan Lindeberg und seine Kollegen 1989 Kitava auf einer Insel in Papua-Neuguinea besuchten, stellten sie fest, dass die Menschen dort sehr gesund waren. Akne, Krebs und Herzerkrankungen waren alles andere als abwesend und niemand war übergewichtig53)https://www.wiley.com/en-gb/Food+and+Western+Disease%3A+Health+and+Nutrition+from+an+Evolutionary+Perspective-p-9781405197717.

Was man allerdings mit hinzufügen sollte ist, dass auch Jäger und Sammler teilweise Rohmilch und stärkehaltige Lebensmittel verzehren. Gibt es DIE Paleo-Ernährung? Nein. Alleine unsere unterschiedlichen Anpassungen und Breitengrade haben einen Einfluss aus unsere Gesundheit.

Es ist unnötig zu sagen, dass neben der Ernährung noch andere Faktoren wichtig sind. Zum Beispiel sind die meisten traditionellen Menschen ziemlich körperlich aktiv und verbringen viel Zeit im Freien, was für uns nicht wirklich typisch ist. Unser Lebensstil in der heutigen modernen Zeit ist sehr neu. Elektromagnetische Felder, wenig Bewegung, Stress an allen Ecken und Kanten, Unzufriedenheit, Werte, welche keine Anerkennung gewinnen, mangelnder Schlaf etc. – es ist nicht die Ernährung alleine, welche uns auf Dauer Probleme macht.

8. Paleo & die Mikrobiomforschung

Die Billionen von Mikroorganismen, die unseren Körper besiedeln, haben einen tiefgreifenden Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Unter anderem regulieren sie unser Immunsystem, beeinflussen unser Verhalten und unsere Gedanken und helfen unsere Nahrung zu verdauuen. Angesichts dessen ist es natürlich wichtig, dass wir uns gut um die freundlichen Bakterien kümmern. Es gibt natürlich auch Bakterien, welche uns nicht gut gesonnen sind.

In den letzten Jahren habe ich viel Zeit damit verbracht, mich um das Mikrobiom zu kümmern. Was sollten wir essen, um die Vielfalt und Stabilität unserer Mikrobiota zu optimieren. Eines der wichtigsten Dinge, die ich während meiner Reisen durch die Welt des Mikrobioms gelernt habe, ist, dass „moderne Lebensmittel“ die Zusammensetzung der menschlichen Mikrobiota so beeinflussen, dass es die Gesundheit des menschlichen Wirts negativ beeinflusst kann.

Diese Aussage wird durch eine große Menge wissenschaftlicher Beweise gestützt. Mehrere Studien haben gezeigt, dass der Verzehr von sehr zuckerhaltigen und / oder stärkehaltigen Lebensmitteln, einschließlich stark verarbeiteter Lebensmittel und sowohl Getreide, das Wachstum proinflammatorischer Bakterien wie Streptococcus mutans fördert54)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18402606,55)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19028906,56)https://academic.oup.com/ajcn/article-abstract/78/4/881S/4690063?redirectedFrom=fulltext. Darüber hinaus zeigen Studien, dass der Verzehr von Lebensmitteln mit einer sehr hohen Fettdichte, wie etwa Sahne, die Bühne für die Translokation von bakteriellen Endotoxinen aus dem Dünndarm in den systemischen Kreislauf, Endotoxämie und chronische Entzündung schafft 57)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20067961,58)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11278967. Andere Arten von evolutionär neuartigen Nahrungsmitteln, einschließlich Molkeprotein-Supplemente, können ebenfalls die Mikrobiota stören 59)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15488881?dopt=Abstract.

Wenn wir darüber nachdenken, ist es nicht wirklich überraschend, dass moderne Lebensmittel in der Lage sind, unsere Mikrobiota so zu verändern, dass unsere Gesundheit darunter leidet. Die natürliche Selektion dient dazu, Organismen an ihre Umwelt anzupassen. Mikroben sind ein wichtiger Teil unserer Umwelt. Daher ist es selbstverständlich, dass Mikroben einen sehr großen Einfluss auf uns haben und haben werden.

Als sich die Ernährung unserer Vorfahren mit der Agrarrevolution änderte, änderten sich auch ihre Darmflora 60)http://www.pnas.org/content/111/3/954,61)https://digitalcommons.unl.edu/cgi/viewcontent.cgi?referer=http://darwinian-medicine.com/the-science-of-paleo/&httpsredir=1&article=1186&context=nebanthro. Die getreidehaltige Ernährung, die wir zu essen begannen, produzierte Bakterien, die schlecht mit den Genomen unserer Vorfahren übereinstimmten. Eine Aussage, welche die Aussage stützt ist, dass Zahnkaries und Parodontose bei frühen Landwirten häufiger vorkamen als bei Menschen vor der Landwirtschaft.

Genau wie unsere neolithischen Vorfahren leidet unsere Mundgesundheit, wenn wir viel stärkehaltige und / oder zuckerhaltige Nahrungsmittel essen. Dies zeigt deutlich, dass unsere Körper die Art von Mikrobiota, die moderne Diäten produzieren, nicht sehr mögen.

Es ist bekannt, dass sich das menschliche Mikrobiom in den letzten 10.000 Jahren stark verändert hat62)http://www.pnas.org/content/111/46/16431. Diese Veränderungen sind teilweise auf Veränderungen der menschlichen Ernährung zurückzuführen. Stark verarbeitete Lebensmittel sind offensichtlich besonders problematisch.

Fazit

Ein artgerechter Lebensstil umfasst viele Facetten. Bei Paleo wird gerne nur die Ernährung her genommen. Je nach Paleo-Guru wird die Steinzeiternährung immer wieder unterschiedlich als Dogma dargestellt. Mal mit unverarbeiteter Milch, mal gänzlich ohne Milch, die einen verzehren Sahne, die anderen verzehren fermentierte Hülsenfrüchte und andere sagen einem, dass Hülsenfrüchte komplett schädlich seien. Eine artgerechte Ernährung sollte zu deinem Körper passen. Dein Körper kommuniziert rund um die Uhr mit dir:

  • Kopfschmerzen
  • Schlafprobleme
  • Brainfog
  • Hautveränderungen
  • unregelmäßiger Stuhlgang
  • und noch so viele weitere Symptome

Symptome sind immer ein Flüstern des Körpers nach Veränderung. Wenn man es nicht beherzigt, sucht er sich eine andere Möglichkeit.

Wenn Symptome nicht ausreichen, dann sendet dein Körper Signale:

  • Blutwerte verändern sich
  • Körperbereiche nehmen eine andere Farbe an

Mit Signalen flüstert dein Körper nicht mehr – er schreit: „Hörst du mich noch? Hier dampft gerade die Kacke! Veränder dein Verhalten oder wir gehen zu Grunde“

Du kannst auf deinem Körper hören und intervenieren oder musst die am Ende eine Diagnose abholen. Dann hat das Ganze zumindest einen Namen.

Sieh die Ernährung als einen wichtigen Teil unserer Gesundheit. Lass deine Nahrung Medizin sein. Lass Schlaf deine Medizin sein. Lass Bewegung deine Medizin sein. Lass deine Hormonbalance deine Medizin sein. Sich jeden Tag um seinen Körper kümmer ist nicht schwer. Es ist kein Fulltime-Job, da er eine Menge selber kann. Aber er benötigt unsere Unterstützung.

 

Fußnoten   [ + ]

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Carsten Wölffling
Über den Autor
Carsten ist Health Coach, Sporttherapeut (B.Sc.), Barefoot Coach und Biohacker. Er studiert die kPNI (klinisch-Psycho-Neuro-Immunologie), geht dem großen "Warum" nach, beschäftigt sich seit 2009 mit den verschiedensten Facetten des Biotops des Menschen, artgerechter Gesundheit und auf welchen Wegen wir diese kompensieren können. Carsten lebt das "intermitten living" und wenn er nicht Fortbildungen und Seminare gibt, dann besucht er für sein Leben gerne Fortbildungen oder ist barfüßig in der Natur unterwegs. Er ist Gründer von Functional Basics und des Leipziger "Health Meeting Leipzig". Als Speaker auf verschiedenen Gesundheitskongressen und in seinem Blog lässt er über den artgerechten Teller blicken. Seine Devise ist: "Gesundheit ist für alle da". Er lebt den Lifestyle mit Marie in Leipzig und gibt sein Wissen gerne hier, in Coachings, Seminaren & Workshops weiter.
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